Fuoco dell' Etna, 12.- 20. Juni

 

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...in der Nacht vom 12/13. Juni 2001

Die Vorphase für den in den frühen Morgenstunden eskalierenden Paroxysmus begann bereits am Abend des 12. Juni um 22.20 und war der vierte Ausbruch seit dem 7. Juni 01. Mein Standort war der Osthang des Nordostkraters mit einer Entfernung von 600 m vom SE - Konus ( 3100 müNN ).  Die durchschnittliche Auswurfhöhe der Lavafontänen stieg auf 400m - 500m, einige Jets erreichten sogar die fast unglaubliche Höhe von 700 m . ( Photos unten )

        

Wichtiger Hinweis!


In diesem Fall war die Beobachtungsposition relativ sicher, da die Auswürfe der drei vorhergegangenen Eruptionen nicht den Nordkrater erreichten. Wie aber die vergangenen Zeiten zeigten ( u.a. 15.Februar 2000) kann der Südostkrater bis zu 1500 Meter Entfernung auswerfen. Man hat keinerlei Schutzmöglichkeiten wie am südlich gelegenen Refugio Torre del Filosofo.

Bleiben sie niemals in dem Kraterareal des Etnas während einer Eruption. 

Alternative und sichere Beobachtungspunkte in dem nördlichen Gebiet ist der Pizzi Deneri nahe dem Observatorium ( 2,5 km Entfernung ) und der erhabene Ort Monte Zoccolaro ( 6 km östliche Entfernung  ) Von dort aus kann man wirklich genug Details sehen und  hören !!

    

Auf den oberen Photos sieht man die eskalierende Aktivität  zwischen 3.00 und 4.00. Die Lava- ströme von zwei Kilometern Länge fließen in östliche Richtung ab, während gewaltige Explosionen bis zu 2m große  Auswürfe über die ganze Bocca Nuova bzw. die westliche Gipfelregion verteilen.

Etna grill aperto!

Während der Aktivität stieg die Temperatur in meiner 600 Meter entfernten  Beobachtungskuhle rapide an. Die großräumige Hitzeentwicklung erinnerte mich sofort an ein Lagerfeuer. Vergleich: Wenn man 2 Meter entfernt an einem 1 Meter hohen Lagerfeuer sitzt,  ist das so ziemlich der gleiche Effekt, bloß mit dem praktischen Vorteil: Ein Schritt zurück .......

     

Das wohl am häufigsten eingesetzte Gerät, um den Abstand optisch auf 120 m zu verkürzen  war mein 250 mm Teleobjektiv. Es ermöglichte mir, die Details der über 250 m aufsteigenden Lavafontäne in der Gestalt und Fülle eines Springbrunnens oder eines Quellsteins zu photographieren. Außerordentlich gute Wetterbedingungen (kein Wind!!) ließen den Einsatz eines Teles überhaupt zu und mit einer Belichtungszeit von einer 1/500 Sekunde konnte ich die Einzelheiten "unverwischt" auf den Film bannen! 

Bildausschnitt 1100 Meter  X  700 Meter

Es muss aber gesagt werden, dass die gleißend hellen Lichtverhältnisse innerhalb der Fontäne denen einer  Schweißflamme glichen,  und  durch die kurze Belichtungszeit das Magma auf dem Film fälschlicherweise orange /rot wiedergegeben wurde. Boris Behncke, der diese Eruption von dem sechs Kilometer entfernten Ort Fornazzo Mareneve beobachtete, teilte mir bei einem Telefongespräch mit, dass er die Strahlungshitze dieses 'weißen Springbrunnens'  noch deutlich fühlen konnte. Was für eine Energie!!! Auffallend war noch, dass der mittlere und hellste Lavastrom eine Strömungsgeschwindigkeit von schätzungsweise 10 - 15m/sec bei einem Gefälle von über 100% hatte

  

  

Sechs Stunden dauerte mittlerweile dieses Event an. Die Morgendämmerung brach an und mit den leuchtenden Farben der Lavaströme ergaben sich daraus noch nie von mir gesehene Farbtöne. Mit den Luft Zereissenden Explosionen und einem archaischen Grollen ist die ganze Szenerie an einem denkwürdigen Zeitpunkt angelangt. Zum ersten Mal konnte ich auch von der Mündung des Südostkraters weiße Druckwellen beobachten, die sich glücklicherweise nach ca. 150 Metern im Raum schwächten. Dennoch erlebte ich dreimal hintereinander ein 'akustisches Vakuum'. Dieses äußerte sich folgendermaßen. Die Druckwelle verläuft sich an den Hängen des SO bis zur Unsichtbarkeit. Unter lautem Krachen passiert diese mittlerweile in Schallwellen umgesetzte Front meinen Standort und plötzlich reißt der Ton ab .... die Luft vibriert und man hört für 0,5 - 1 Sek. absolut nichts. Das Ende der davongehende Schallwelle hinterlässt dann wieder einen lauten, abklingenden Ton. Meine Trommelfelle sind übrigens nach wie vor intakt !

Stille Erde

 

...ich genieße das Lichtspiel der aufgehenden Sonne nach dieser spektakulären Nacht. Die nach Osten driftenden Aschewolken vor der aufgehenden Sonne. Im Vordergrund die Schattenumrisse des Observatoriums am Pizzi Deneri.


"Tutto rosso"

Die letzte Vorstellung am 19/20 Juni

Karte

15.00 p.m.: Seit drei Tagen war der Etna häufig in dichte Wolken gehüllt und man konnte nicht mit Sicherheit sagen, ob und wann eine Eruption gerade im Gange war. Bestimmt durch seinen Rhythmus von zwei Tagen wäre der Güdste (sächsisch) seit Mittag wieder fällig gewesen. 

20.00 p.m.: Intuitiv ging ich zum zwanzigsten Mal zu dem altbekannten Observationspunkt  "Schwimmbadeck". Zum Gipfel blickend entdeckte ich Freudigerweise durch den Dunst einen ganz schwach leuchtenden Lavastrom, der bereits in einer Länge von 400 m von der Bocca des Levantinos herabging. Ha, der Anfang war gemacht und heute Nacht sollte wieder ein Paroxysmus stattfinden. Die Frage stellte sich nun, wie weit war diese Aktivität fortgeschritten..? Avanti, avanti! Ohne wichtige Minuten zu verschwenden, beschloss ich zusammen mit Ingo, Anne Seidemann und Eric Paluch aus Deutschland, den Monte Zoccolaro (6 Km Entfernung) als Zielort auszuwählen.

   

22:00 Die Kehren beim Aufstieg etwas enger genommen, erreichten wir genau zum richtigen Zeitpunkt den Beobachtungspunkt Mt. Zoccolaro. Der  Anblick auf das Geschehen blieb uns jedoch nach 30 Minuten verschlossen, da genau EINE WOLKE! immer wieder zwischen uns und dem Südost Konus herumbummelte. Endlich, die Sicht wird frei. Laut dem Update von B. Behncke erreichten am Anfang die Lavafontänen 600-900m. Nachdem die von uns beobachteten Lavakerzen von ca.700 m schwächer wurden, waren wohl jetzt hausgroße Auswürfe an der Reihe. Diese wurden bis zu 200 m aus dem Krater katapultiert. An der rechten Seite des Südost- Kraters sieht man wuchtige Auswürfe von plastischer Konsistenz, die am Konus zerschellten und eine glühende Spur von mehr als 150 m hinterließen..

   

Der Südostkegel ist mit unzähligen Pyroklasten bedeckt. Der nun einsetzende Ascheregen rieselte uns sauber ein und hörte sich im umliegenden Laubwald wie ein starker Wolkenbruch an. Unglaublich, nach 10 Minuten hatte jeder von uns einen 30 cm hohen Aschehaufen auf dem Haupt!

 

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  Zu den weiteren Ereignissen vom 4.6 - 20.6.01

 

  

4-6. Juni An den Lavaströmen des SEC
8.-10. Juni Neue Eruptionsphase am SEC
12.-20. Juni Fuoco dell' Etna,"Tutto rosso"

 

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 © 2005 photos by T. Boeckel ,last modification 18.1.05


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