Paroxysmen vom 8.-11. Juni 2001

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Etnas Sonnen - Schatten -Wippe

Wenn die Sonne, die ja bekanntlich gerne im Westen untergeht, mit dem Etna eine tangentiale Linie bildet, so bedeutet das für den kegeligen Kernschatten des Vulkans, der sich mit seiner fast unendlichen Länge über die östliche Horizontlinie erhebt, eine kurzzeitige Sichtbarkeit ( Mondfinsternis - Prinzip ). Die Sichtbarkeit wird durch Staubpartikel in den tieferen Schichten der Atmosphäre ermöglicht und verstärkt.

Der Anfang eines starken Paroxysmus startete mit einer kleinen Lavazunge aus dem Levantino (ca. 3200 müNN). Der Magmaspiegel stand dem SO -Konus somit mal wieder bis zum Hals. Der Verlauf  jedes einzelnen Ausbruches glich fast dem anderen, und es ist für einen Vulkan dieser Größe schon fast unheimlich, mit welchem präzisen Rhythmus von 48 Stunden Zeitabstand im Mittel die Ausbrüche stattfanden.

Die Lavazunge erreichte die Basis (70m unterhalb). Die mittlere Geschwindigkeit des Stromes erreichte bereits 2-3 m/s. Im Vergleich zum 12/13. Juni wird sich die Abfließgeschwindigkeit der Lava auf vermutlich 15 m/s steigern. Der Ursprung des Levantinos ist wohl die gute alte Lavafontäne von 2000 am NNO- Hang des SO- Kraters. Sie wurde  bereits bei einem Ausbruch am 14.Februar 2000 von mir  photographisch festgehalten. Das war auch der Ort, wo ich den fast weißen Lavastrom am 3.4 entdeckte und zusammen mit Andreas Heidl bei der Eruption am 6.4.00 eine beängstigend große und massenreiche Seitenfontäne beobachtete.

Klick zum 14. Februar 2000

 

Der Blick zurück vom Observatorium am Pizzi Deneri. Der Lavafluß wird mächtiger, Sterne im Hintergrund. Bis dahin wusste ich nicht, dass es gegen 3.00 h zur Eskalation kommen wird und bin leider zurück zum Campingplatz gegangen.

 

Die oberen zwei Photos von Ingo v.Kaenel ca. 1-2 Sekunden belichtet, zeigen die Aktivität am Morgen, die jetzt voll im Gange ist. Der Himmel verfärbte sich über dem ganzen Gipfel orange bis violett und erinnerte an eine Hollywoodkulisse. Das Farbspektakel nimmt bis zu Morgengrauen seinen Lauf. Das Morgengrau im Morgengrauen nimmt der nachlassenden Aktivität die noch bis 6.00 h andauerte, die Farben. Ein besonderer Dank geht wieder mal an die ansonsten recht nervenden Hunde aus dem nahe gelegenen Zwinger, die mich mit ihrem Gebell rechtzeitig aus dem Schlafsack holten.


Der Morgen des 11. Juni 2001
(Standort: Camping Mareneve, nahe Milo)

Vorwort

Der Südostkonus ist 30 Jahre alt, und hat sich einen Aufbau von ca. 300 m Höhe geschaffen. Die Gipfelhöhe des SO dürfte nach den letzten Aktivitäten folglich auf 3300 müNN liegen.( Nicht mit dem Hauptgipfel verwechseln, der liegt noch 40 m höher ! ). Das macht durchschnittlich 10 Meter pro Jahr. Somit dürfte der SO-Konus  im Jahre 2071 wenn alles planmäßig läuft  bei seinem 100- jährigem Jubiläum, genau 4000 müNN sein. Klingt toll, aber leider bin ich da schon 105..

Etna at 5:00 / 5.30 a.m.: Eine ca. 500 m hohe Feuerkerze aus entzündeten Gasen und glühender Lava durchdringt die dichte Aschewolke, die sich mehrere Kilometer über dem Südostkrater auftürmt.

   

4:00 a.m.: Die vermutlich durch die Aktivität unruhig gewordenen Hunde und Tölen in dem zu nahe gelegenen Zwinger weckten mich wieder mal zuverlässig und teilten mir durch ihr sizilianisches Gebell mit. "Los raus aus dem Schlafsack, blicke zum Etna und zwar avanti !" Über den Baumkronen leuchtete wieder mal der gesamte Himmel fast künstlich rot bis violett. Verschlafen ging ich zum unteren rechten Eck des Schwimmbades. Nur dieser kleine Ort ließ in dem bewaldeten Areal den Blick auf die Gipfelkrater zu. Die Aktivität schien seit 2.00 Uhr im Gange gewesen zu sein und erreichte allmählich den vehementen Höhepunkt. Mit dem ersten Tageslicht wurde auch der schnell aufsteigende Aschedom sichtbar.

'Etnageist'

Etna um 5:00 a.m.: Rechts neben der Aschewolke ist deutlich der Etna - Neuling '  Levantino mit seiner fast weißen Lavafontäne zu sehen. Die golden weiße Farbe lässt auf eine sehr hohe Temperatur schließen, die auf jeden Fall über 1050 °C lag. Die mächtige grauschwarze Aschewolke trieb zum Glück nach Westen und ermöglichte die Sichtbarkeit der 'großen Flamme'

   

Warum explodiert der SE- Konus nicht?

Mit den nächsten Bildern möchte ich eigentlich auf die Statik und den Aufbau des SE - Konus aufmerksam machen. Die Photos zeigen, dass am gesamten Konus über einen beobachteten Zeitraum von 30 min ununterbrochen Gase / Wasserdampf sichtbar an den gleichen Stellen austraten. Das lässt vermuten, dass der Konus mit zahlreichen verästelten Kanälen durchsetzt ist, die nur bei extrem vulkanischem Hochdruck 'in Gebrauch' sind. Das ist vielleicht ein Grund, dass dieser Kegel den gewaltigen inneren Explosionen und Druckverhältnissen, die ja Asche und Lavafontänen bis zu 1000 m empor schleudern, bisher standhalten konnte. Diese durchlässigen inneren Adern oder Schichten könnten somit die immense Druckkraft verteilen und kompensieren. Sozusagen die Überdrucksicherung am Hauptventil

  

Die fast 10 Kilometer hohe Asche- / Wasserdampfwolke steht über dem Etna und wird allmählich von der aufgehenden Sonne angestrahlt. Fast lautlos gab sich dieser Ausbruch zur Schau. Lag es an der Windströmung oder an der Wetterlage?

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  Zu den weiteren Ereignissen vom 4.6 - 20.6.01

 

  

4-6. Juni An den Lavaströmen des SEC
8.-10. Juni Neue Eruptionsphase am SEC
12.-20. Juni Fuoco dell' Etna,"Tutto rosso"

 

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Vom Ätna zum Stromboli      Planets & Space

 ©2005 photos by T. Boeckel ,last modification 18.1.05


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