Ätna 27.10.2002 - 1.11 2002

Imposante Eindrücke in der südlichen Region

 

in english

  Cinema 


mr

Ein ca. 800 m vom neuen Krater entfernter metergroßer Impakt

Knapper kann man einem Vulkanausbruch wohl kaum entkommen. Immerhin brachte es der Ätna  fertig, das wir uns nach der Heimkehr von unserer Etna-Stromboli-Tour schnell wechselnd grün und blau ärgerten, da just in diesem Moment als Ingo und ich die Rucksäcke ins Haus tragend, der Vulkan in der gleichen Nacht noch ausbrach. Der Telefonanruf vormittags des 27. Okt. meines lieben Bruders war im Wortlaut auch nicht tröstender: "Willkommen zu Hause, weißt du schon das der Ätna wieder ausgebrochen ist?." Diese Nachricht stellte mich die nächsten Tage vor neue Tatsachen. Geschockt und 'not amused' rannte ich paralysiert beinahe jeden Laternenpfahl um bis ich mit Martin beschloss den Ätna erneut anzusteuern. Langsam beruhigte ich mich wenigstens ein bisschen..

Die Wettervorhersage für die Region um den Ätna war mehr als bescheiden. Dennoch wurde der Wahnsinn von 1673 km (24h) von München nach Sizilien nochmals heruntergescheppert und prompt wurden wir von der wahren lokalen Wetterlage positiv überrascht. Wirklich erwähnenswert war, dass während unseres Aufenthaltes am Ätna in der Gipfelregion keine Wolken, minimaler Wind und  was für diesen Monat ungewöhnlich war keine Minusgrade herrschten. (Vergleiche April 2000 etc...)

tb

Diese Bedingungen ließen tiefe Einblicke in eine phantastische Welt zu.

                 tb

30.Nov. 12 pm: Beeindruckt durch eine mächtige Aschewolke die zu diesem Zeitpunkt noch in Libyen registriert wurde erreichten wir die obere Region. Den Vulkan erst vor 8 Tagen bestiegen, in Erinnerung noch die Landschaft die ich von der Kraterkante des vor 14 Monaten neu entstandenen Cono de Laghetto erlebte, verstand ich nach und nach was hier monumentales die letzten Tage los gewesen sein muss. (ein Bildvergleich folgt!)

   tb 

          mr

Links: Der Montagniola Gipfel. Darunter die damals effusive große Spalte von 2001. Der 14 Monate junge Cono de Laghetto auf dem rechten Bild.

1.Nov.10am: Die kürzlich noch von den Lavaströmen zerfurchte oberen Felder in der Region vom Piccolo Refugio (2560m) bis zu dem Td'F (2930m) hatte sich innerhalb von drei Tagen in eine sanfte Mondlandschaft mit Hunderten von kleinen Hügeln verwandelt. Kein Lavakanal, kein scharfer schroffer Lavafels war nunmehr zu sehen. Alles versank unter einer bis zu 10-20 m hohen Lapillischicht. Gedanken, einen neuen Himmelskörper zu betreten existierten wahrhaftig. Keine Fußspuren! Wir realisierten nun das wir einer der ersten Besucher dieser neue Welt waren.

Einheimische an der Sapienza erzählten uns, dass es in den ersten drei Tagen gar nicht möglich war das obere Gebiet zu betreten. Kein Wunder, wenn es da oben täglich über drei Meter hoch Asche rieselte und sich das ganze anfänglich noch als undurchdringliches Kraterchaos entblößte.

     tb       

        mr

Abendstimmung unter der neuen Kratergruppe

In der folgenden Nacht positionierten wir uns unterhalb der neuen Kratergruppe. In einer Entfernung von etwa 600m  konnten wir mehr als deutlich die dumpf einschlagenden Lavabomben und Felsblöcke hören. Die Hänge des Monte Frumento Supino wurden pausenlos malträtiert und sehr beeindruckend war es, wenn ein weit gestreuter Regen von beträchtlich großen Bomben (50cm) niederging.  

         tb

               tb

Tausende von Pyroklasten bedecken jeweils nach einer heftigen Eruption den Krateraufbau der mittlerweile eine Höhe von ca. 100 Meter hatte. In dieser sanft geformten Umgebung war es wirklich schwer gute Schätzungen über die Dimensionen des Kraters zu machen und Sie können selber entscheiden welch enorme Höhe die photographierten Feuerfontänen hatten.


Die neuen Krater

       tb

1.Nov. 11am: Nachdem wir drei oder vier neue Krater* zählten, die fast in einer Linie südlich des Torre del Filosofo angeordnet waren, der obere große Krater war ständig am grollen und donnern passierten wir unterhalb der neuen Kratergruppe auf 2600 Meter Höhe erneut Spalten die bis zu 50 cm geöffnet waren.*(Bei diesem Kraterdurcheinander geht schon mal einer verloren). Hinweis: Genau in dem Gebiet kam der Lavastrom vom 27-29.Okt. herunter und einige Spalten könnten das Produkt aus dem in sich zusammenfallenden Lavageröll sein. Eine bis zu 4 Meter dicke Asche und Lapillischicht bedeckte das nun unterirdisch ausgekühlten Lavabett, jedoch waren einige Öffnungen so weit entfernt das dies vermutlich doch Anzeichen einer erneuten Bewegung des Vulkanmassives bedeutet. Die weiteren Eruptionen vom 21.Nov zeigen diesen Trend auf.

        tb

      tb

mr

Nach einer weiträumigen halben Umrundung der neuen Vulkankegel näherten wir unserer Majestät untertänigst. Die ausgesetzte Lage des oberen Kraters war mit den bis zu 400m hohen phreatisch- magmatischen Eruptionen ein fantastischer Anblick.

            tb

tb  tb  mr tb

Das hinter dem neuen Konus versteckte Torre del Filosofo

Jede Explosion war in Ihrer Gestalt verschieden und man hatte das Gefühl die Finger einer Übermacht zeigten drohend in den Himmel. Die Eruptionswolke war so schwarz und undurchdringlich das sie unmittelbar an ein brennendes Ölfeld erinnerte.      

   tb

Ein markantes Zeichen der explosiven Aktivitäten war, wenn die massereichen Auswürflinge wie Striche in der Luft aufstiegen und den Krater schneller verließen als Sie dem Luftwiderstand standhalten konnten. Bis zu einer Höhe von 200m waren diese Auswürfe noch sichtbar bis sie endgültig zerfielen und einen überdimensionalen schwarzen Pfeil hinterließen.Weiterhin wurden sehr kleine Auswürfe mit einer solch enormen Geschwindigkeit aus dem Krater geschossen das man sie erst sehen konnten, als diese mit einer kleinen weißen Explosionswolke zerbarsten. Wenn man  tagsüber eine Sylvesterraketein steigen und in der Luft explodieren lässt, gewinnt der Beobachter einen ähnlichen Eindruck.

.    

Aus einer Tiefe von 5 Kilometern wurden zwischen dem schwarzen ausgeworfenen Lava- Lapilli- Gestein immer wieder weiße Sedimentblöcke bis zu einer Höhe von etwa 800 m in die Atmosphäre geschossen. Die Rückkehr fand unter lautem Zischen und Pfeifen statt und schlugen mit einer Geschwindigkeit von mehr als 350Km/h in die kompakte Asche/Lapillischicht ein. Der Ton des Aufschlages war dermaßen dumpf und einige dieser Geschosse bohrten sich förmlich bis zu einen halben Meter tief in den Boden. Hunderte solcher Impakte lagen verstreut vor uns.

In einer Entfernung von 400 Meter war es lebenswichtig ständig den Vulkan zu beobachten. Versteckte, aus der Eruptionswolke schiessende Brocken waren erst im letzten Moment sichtbar. Hörte man diesen herannahenden üblen pfeifenden Ton direkt über sich, galt es nun das Beste zu hoffen....


 

Ätna     Stromboli      Vulkanwelt     Counter Cinema

Vom Ätna zum Stromboli      Planets & Space

  © 2004 photos & text by Th. Boeckel (TB), © 2004 photos by M. Rietze (MR). last modification 6.03.2004