Red Sprites (Rote Kobolde)

  ..über Südwest-Deutschland 2016 

Fotografiert am 28.Mai.2016 in Germerswang, Fürstenfeldbruck

Th.Boeckel 

   

Schwere Gewitter in der Region Freiburg bzw. im 200-250 km entfernten Dreiländereck Schaffhausen wurden auf der Wetterkarte bei Sat24 entdeckt. Zudem tummelten sich zwischen Basel und Mulhouse zwei weitere verdächtige Gewitterzellen. In Fürstenfeldbruck war zudem sternenklarer Himmel. Also rauf auf meinen Hügel und the 'same procedure'  wie letztes Jahr im August 2015. Nachdem ich die 1200 Fotos durchsuchte, wurden überraschender Weise wieder drei dieser seltenen Ereignisse eingefangen.

Red Sprite 2016 by Boeckel

 Um 21:50 UTC bzw. 23:50 MESZ wurden wieder Sprites abgelichtet.

Canon5D MIII, Sigma 35mm, f1.4, ASA 3200, Exp. 2,5sec

Anzumerken wäre, welche Details würde dieses Foto bei absoluter Dunkelheit z.B. in den Bergen hervorbringen.

Red Sprite 2016 by Boeckel

Das gleiche Event im Originalausschnitt

Movie 122 MB

Red Sprite 2016 by Boeckel    Red Sprite 2016 by Boeckel    Red Sprite 2016 by Boeckel

Noch zwei weitere Sprites 6 und 9 Minuten später (Mitte, Rechts)

 Red Sprite 2016 by Boeckel    Red Sprite 2016 by Boeckel

Im Kontrast erhöhte Fotos zeigen mehr Details. Links die typische Y-Form.

Wetter Situation 23:50, Bildquelle Sat24


 Wie kommen diese seltenen Leuchterscheinungen zu diesem Namen, wann wurden sie entdeckt und wie entstehen diese?

Die Erscheinung eines Red Sprites dauert etwa 2/100 Sekunden, kann aber allerdings sehr hell sein und mit bloßem Auge gesichtet werden. Die Helligkeit bleibt jedoch um ein Vielfaches unter einer Blitzentladung. Zu deutsch 'Rote Kobolde' erscheinen durchschnittlich in einer Höhe von 60-80 km in der Mesosphäre. Auch Sichtungen bis zu einer Höhe von 90 km zum Rande der Ionosphäre sind möglich. Die Höhe des Sprites kann von 10 km bis zu 20 km variieren. Die Breite der Entladungen können 40 - 60 km erreichen.

Bis 1989 wurde die Existenz von Red Sprites generell abgestritten da nur Jetpiloten vereinzelt Sichtungen bekannt gaben. Hierbei ernteten sie eher missmutige und spöttische Reaktionen :-(. Folglich wurden auch viele Sichtungen verschwiegen. Ab 1989 gelang es zwar Red Sprites zu fotografieren, aber aufgrund der noch nicht fortgeschrittenen Kameratechnik waren die mäßigen Resultate wissenschaftlich nicht zu gebrauchen.

1991 gelang es den Astronauten der damaligen Space Shuttle Mission dieses Phänomen erstmals aus dem Weltraum gezielt fotografisch zu erfassen, wobei diese Aufnahmen auch als erste aussagekräftige Beweise dienten. Daraufhin wurden mittels high-tech gespickter Forschungsflugzeuge sehr kostenintensive Versuche von der NASA und der NOAA unternommen, welche diese Erscheinungen weiter aufklären und bildlich festhalten sollten. Nachdem diese Bemühungen anfänglich monatelang keine Ergebnisse lieferten und die Forscher sich als buchstäblich an der Nase herumgeführt betrachteten, nannte man diese Entladungen schon fast boshaft 'Sprites' was zu deutsch 'Kobolde' bedeutet. Ja, wer den Pumuckl kennt...;-) . Die erste farbige Aufnahme gelang erst 1994 der 'University of Alaska', wobei eine hocheffiziente Kamera an einen Wetterballon installiert wurde.

Übrigens, eine plausible Erklärung über die Entstehung von Red Sprites hat man bis heute nicht, aber dafür gibt es unzählige Theorien. Wissenschaftlicher Bericht in der Washington post. Die gängigste Version erklärt, dass sich bei heftigen Gewitter größere Spannungsfelder über der Zelle aufbauen welche sich folglich durch Übersättigung nach oben selbst entladen. Die eigentliche Leuchterscheinung entsteht in der Mesosphäre durch Kollision von Elektronen mit der dort stets vorkommenden kosmischen Gammastrahlung.


Mehr über Red Sprites bei

  (Sprite link)


Weitere Sichtungen

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