Islands Polarlichter

Eine lautlose Vorstellung

 Fotografiert und beschrieben von Martin Rietze, Dezember 2002

in english

Produzent: Sonne      In der Hauptrolle: Ionen      Drehort: Ionosphäre      Animation: Protonen


Seit mehr als 10 Jahren war es mein Wunsch, einmal kräftige Nordlichter zusehen. Das faszinierende Spiel des Sonnenwindes mit der polaren Hochatmosphäre hat einen eigentümlichen, fast überirdischen Reiz. Es vermittelt die Übergangszone von irdischen Dimensionen in die Weite des Alls, also die erdgebundene Beobachtung mit der Astronomie. Damals konnte ich per Zufall während einer Sternwartenführung in Fürstenfeldbruck am Nordhimmel deutliche Lichtvorhänge sehen, eine halbe Stunde später war es schon wieder vorbei.

Also verfolgte ich immer Meldungen von in unseren Breiten ja doch sehr seltenen Sichtungen, aber auch bei angekündigten Sonnenstürmen hatte ich nie mehr das Glück, nachts diesbezüglich etwas zu sehen. Gerade bei der besonders aktiven Sonne der letzten Jahre gab es auch bei uns viele Beobachtungen. Da nun aber die Sonne in ihrem Zyklus eine mehrjährige Ruhephase vor sich hat und mich die schönen Polarlichtbilder der letzten Zeit anspornten konnte ich der Versuchung nicht widerstehen, kurzfristig direkt unter den Polarlichtgürtel zu fliegen. Dazu ist Island besonders geeignet, da dort der Gürtel um den Magnetpol der Erde am weitesten nach Süden reicht und diese Insel trotz der 'saure Gurken Zeit' sehr gut erreichbar ist (welcher dumme Tourist fliegt in der Zeit der Polarnacht mit Dauerdämmerung nach Norden ?).

Während des Fluges mussten wir umdrehen und stundenlang in Glasgow zwischenlanden, da Sturm und Starkniederschlag einen Anflug auf Island unmöglich machten. Dabei macht man sich Gedanken, wie man bei fast durchgehender einwöchiger Nacht, Dauerwind und Niederschlag seine Zeit verbringt. Im Nachhinein jedoch war es wohl einer der berühmten Fälle von grenzenlosem Anfängerdusel, denn trotz fast immer schlechtem Wetter klarte es an zwei Nächten auf (6.12. und 7.12.2002) und zusätzlich gab es genau dann sehr starke Polarlichtaktivität, was beileibe nicht immer der Fall ist. Die Bilder können leider nicht den Eindruck eines Beobachters wiedergeben, das Beobachten von sich in sekundenschnelle bildenden und bewegenden Vorhängen, Schleifen und Bögen ist ein unvergessliches Erlebnis. Zudem ist die Position genau unter dem Vorhang ohne störende Aufhellung der Umgebung im schwach besiedeltsten Gebiet Europas eine völlig andere als ein mattes Glimmen einmal im Jahr am nördlichen Himmel im lichtverschmutzten Deutschland.

Der Standort musste sich leider nach Wolkenlücken und nicht nach schöner landschaftlicher Kulisse richten, so entstanden alle Bilder auf der Südseite der Reykjanes - Halbinsel am Rande der dortigen Schotterpisten. Ausnahmsweise kam diesmal die 6x7 Kamera nur beschränkt zum Einsatz, die schnell veränderlichen Lichterscheinungen benötigen extrem lichtstarke Objektive. Dies kann die Mittelformatfotografie nicht liefern, also kramte ich noch meine Kleinbildausrüstung hervor und ergänzte diese um ein hochlichtstarkes Weitwinkel neuester Generation. Alle hier gezeigten Bilder sind mit einem Superweitwinkel f=20mm bei voller Öffnung 1:1,8 und 4s-20s Belichtungszeit auf dem auch für diese Anwendung hervorragend geeigneten Kodak E200 Diafilm gebannt.

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©2002 Photos und  text by Martin Rietze, Translation, design Th. Boeckel