Stromboli, Ätna, Abruzzen

     April 2009  

 

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Cinema

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Schon bei der Ankunft in St. Vincenzo waren die Eruptionsgeräusche nicht überhörbar. Bei den bisherigen Besuchen konnte ich noch nie ein deutliches Fensterklappern nach einer Kraterexplosion im näheren Umkreis meiner Pension vernehmen. Und das mitten im Dorfzentrum  - irgendwie klang es viel versprechend :-). Wie sich später herausstellte, war dafür der zweite östliche Krater ausschlaggebend, der mit seinen Lavageschossen nicht sparte, und voluminös den Ostgrat höhenmäßig weit übertraf. Vom Dorfzentrum aus konnten in der ersten Nachthälfte die Spitzen der Eruptionsfontänen beobachtet werden. Auch ein Novum

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Bereits am Helilandeplatz an der Nordwestseite (Pizzeria) gelangen passable Aufnahmen. Beeindrucken war der Vergleich mit den davor positionierten Besuchern auf der Quota 400. Die Kraterterrasse liegt aber noch ca. einen Kilometer von der Q400 entfernter.

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Ununterbrochen warf der 2.Ostkrater (Links, Mitte) Lavafetzen aus, bis dieser im Zehnminutentakt wieder loslegte  

So manches ändert sich auf dieser Welt wohl nie. Vor allem scheint das Innere dieses Vulkans bis auf alle Ewigkeit festgelegt zu sein. Erst im Februar 2007 (Martin war damals vor Ort) wurde die Kraterterrasse so dermaßen ausgeblasen und verunstaltet, dass diese kaum mehr zu erkennen war. Mittlerweile baute sich zwar auf der Ostseite ein imposanter Schlackekegel mit doppelten Ausgangsöffnungen auf. Der Eruptionscharakter eines jeden einzelnen Vents änderte sich aber keineswegs. Den Vergleich möchte ich sogar bis in das Jahr 1995 ziehen, unserem ersten Besuch. Damals war der Westkrater (rechts) genau so füllig sprühend, wie der im Gegensatz donnernde zweite Ostkrater. Dazwischen haben sich wieder kleinere Öffnungen gebildet, wobei sich der austretende Wasserstoff unter gewaltigem Druck an der Oberfläche entzündet und mit blauen Wasserstoffflammen und einem mords Getöse beeindruckt. Obwohl hier der Wasserstoff am Werk ist, wäre Herr Bunsen damals vor Neid erblasst.

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Überblick über das rechte Kraterareal. Nicht zu übersehen, der etwa 30 Meter Hohe Schlackenkegel mit doppelter Auswurfvorrichtung

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Das Innenleben der Kraterterrasse. Fast mittig baute sich ein etwa fünf Meter hoher Konus auf. Dieser zeigte aber während meines Besuchs wenig Aktivität.

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Seitenansicht des Ostkraters. Bis zu zwei Meter große Lavafetzen wurden weit herausgeschleudert. Während des Sonnenaufganges immer wieder faszinierend: Die Farbänderung der Vulkanlandschaft.

Vulkan Stromboli 2009, Lava am Krater

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Vom Sonnenlicht angeschienen, war es fotografisch möglich geworden immer mehr Details exakter einzufangen.

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Ätna von Milo aus gesehen

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Die allgemeine Schlechtwetterlage in Sizilien ließen dieses Mal nur Fernaufnahmen der Lavaströme im Val del Bove zu. Nachdem die Lavaströme sehr nahe unter dem Pizzi Deneri lagen war eigentlich eine Besteigung geplant. Allerdings fror mir bereits während eines heftigen Schneesturmes an der Sapienza dermaßen mein Frühstückskaffee ein, so dass ich mich erst gar nicht erst zur nordwestlich gelegenen Piano Provenziana aufmachte.


Südliche Abruzzen

L'Aquila 2009, Erdbeben    

Das für die nächsten vier Tage angekündigte 'Winterwetter' am Etna verschlug mich somit in den Gargano und die südlichen Abruzzen, wobei ich bei der Ost-West Durchquerung durch die Stadt L'Aquila umgeleitet wurde.

 L'Aquila 2009, Erdbeben     L'Aquila 2009, Erdbeben     L'Aquila 2009, Erdbeben

Durch Ihren Aufbau unterschiedlich zerstörte Gebäude. Die östlichen Vororte von L'Aquila und die historische Altstadt wurden sichtlich am meisten in Mitleidenschaft gezogen.

Hier wurde die Kehrseite der Kontinentaldrift mit einem Erdbeben der Stärke von 6.2 auf der Richterskala sichtbar.  

L'Aquila 2009, Erdbeben    L'Aquila 2009, Erdbeben

Der unermüdliche Einsatz der Hilfskräfte brachte den 17.000 Obdachlosen schnelle Hilfe

Unmittelbar zusammenhängend mit der mediterranen Plattentektonik fügt der sizilianische Vulkanismus durch seine oft faszinierenden feurigen Auftritte, dem Menschen nicht nur Leid zu. Hierbei verursacht das ‚geologisch gelenkige’ Sizilien durch minimale Eindrehungen die Öffnung zwischen tektonischen Splittern und offenbart hier die lavarösen Faszinationen. Im Allgemeinen verbirgt sich jedoch im Mittelmeerraum eine hochkomplizierte Plattentektonik, wobei niemand so richtig die detaillierten Vorgänge zu manifestieren wagt. Eine weit verbreitete Theorie besagt, dass eine durch Subduktion verschwindende Afrikanische Platte, unter der Thyrrenischen Platte und weiteren tektonischen Splittern im Mittelmeer (Eurasischen Platte) abtaucht. Die Eindrehung der Afrikanischen Platte in nordöstlicher Richtung auf die Eurasische Kontinentalplatte bewirkt im Zentrum des ‚zerklüfteten’ Mittelmeerraumes (Mittelitalien) auch eine West-Ost-Bewegung, und erzeugt zu dem Schub auf die Europäischen Alpen, auch den Druck auf die Abruzzen. Die hierbei resultierenden Ver- und Entspannungspunkte in den Gesteinstiefen lagen am 6. April 2009 um 3.00h fast genau unter der Stadt L'Aquila und verursachten bereits in der Vergangenheit verheerende Erdbeben und nur Leid und Zerstörung.

L'Aquila 2009, Erdbeben    L'Aquila 2009, Erdbeben

Von Interesse waren für mich das Standverhalten verschiedener Gebäudearten sowie eventuelle Deformationen in Straßen oder Geländeformen. Geländeverschiebung, Spalten oder Risse in den Straßen konnten jedoch nicht bemerkt werden.  

Fazit dieser zehntägigen Tour war, dass mir die Auswirkungen der zusammenhängenden Tektonik im Mittelmeerraum durch aktiven Vulkanismus und einwirkender Erddrift unmittelbar bewusst wurden, und in diesem Rahmen wohl kaum deutlicher veranschaulicht werden konnten.

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Vom Ätna zum Stromboli      Planets & Space

© 2009 Photos und Text by Th. Boeckel, last modification 15.04.2009