USA, Yellowstone National Park

  September/Oktober 2009 

Richard Roscoe

in english

 

Die Yellowstone Caldera ist für die größte Ansammlung Geothermaler Erscheinungen auf der Welt bekannt. Diese umfassen zahlreiche heiße Quellen, brodelnde Schlammtümpel, Sinterterrassen, Fumarolen und natürlich die Geysire durch die der Yellowstone Nationalpark zu großer Bekanntheit gelangt ist. Ähnliches gibt es eigentlich nur in Island, Neuseeland oder Kamchatka zu sehen aber in viel geringerer Zahl.

Daher entschloss ich mich nach einem ersten Kurzbesuch in 2000 den Park mal richtig fotografisch in Angriff zu nehmen. Ich entschloss mich von Denver aus mit dem Mietwagen nach Yellowstone zu fahren, dort eine Woche zu verbringen, um danach Richtung Osten zum Turm des Teufels (Devils Tower) und zu weiteren Sehenswürdigkeiten zu fahren, bevor ich wieder Richtung Denver fuhr, um vor dem Rückflug noch etwas im nahe gelegenen Rocky Mountains Nationalpark zu entspannen .

Die Fahrt von Denver nach Yellowstone ist lang und teilweise etwas eintönig da die Landschaft erst etwas abwechslungsreicher wird wenn man in die Nähe von dem Grand Teton Nationalpark kommt der südlich an Yellowstone angrenzt. Grand Teton hat einen eindrucksvollen Gebirgskette die durch eine Erhebung der Westseite des Grand Teton Bruchs und gleichzeitiger Absenkung auf der Ostseite entstanden ist. Das Gebirge ist relativ Alpin in seiner Form und vielleicht deshalb für einen Wahlmünchner nicht unbedingt außerordentlich spektakulär. Dennoch habe ich diesem Park einen Tag gewidmet und dabei auch einen Elch beobachten können, bevor die Fahrt abends durch Yellowstone ging um spät am Abend Gardiner am Nordeingang des Parks zu erreichen wo ich mich für 2 Nächte einquartierte. Glücklicherweise hatte ich das Motel reserviert da andere noch nach Zimmern suchten. Die Hauptreisezeit war zwar vorbei aber September wird angeblich immer beliebter und die Lodges im Park Selber sind auch in dieser Zeit meistens voll gebucht.

 Liberty Cap, Hot Spring Deposit, Mammoth Hot Springs, Yellowstone   Palette Spring, Travertine Terrace, Mammoth Hot Springs, Yellowstone

Die nächsten eineinhalb Tage wurden bei den Mammoth Hot Springs, einem riesigen Komplex aus heißer Quellen und Sinterterrassen, sowie beim Norris Geyser Basin, eine der vielen Bereiche im Park mit hoher geothermaler Aktivität, verbracht.

Mammoth Hot Springs liegt außerhalb der eigentlichen Kaldera und ist geprägt durch seine kalksteinhaltige Umgebung. Heiße Quellen lösen Kalkstein aus tiefer liegenden Schichten und fördern es an die Oberfläche wo es abgelagert wird, z.B. wenn die heißen Wässer verdampfen. Die resultierenden Ablagerungen können verschiedene Formen annehmen, und Bilden kleinere Hügel und Sinterterrassen die farblich durch Algen und Bakterienbewuchs verändert werden.

Mammoth Hot Springs, Yellowstone    Main Terrace, Travertine Terraces, Mammoth Hot Springs, Yellowstone

Cleopatra Terrace, Travertine Terrace, Mammoth Hot Springs, Yellowstone   Orange Spring Mound, Hot Spring, Mammoth Hot Springs, Yellowstone

Main Terrace, Mammoth Hot Springs, Yellowstone   Main Terrace, Travertine Stalactites, Mammoth Hot Springs, Yellowstone

Norris Geyers Basin ist im Moment relativ ruhig und weder der Steamboat Geysir der als größter in letzter Zeit aktiver Geysir der Welt gilt, noch der kleinere sehr saure Echinus Geysir der wegen seiner früherer Ausbruchshäufigkeit von einer kleinen Zuschauertribüne umgeben ist, konnten in Aktion beobachtet werden. Heiße Quellen und kleinere Geysire waren dennoch Aktiv, Trotzdem würde ich bei geringer Aufenthaltszeit auf einen Besuch dieses Basins verzichten zu Gunsten der viel aktiveren Basins in der Gegend um Old Faithfull.

Mammoth Hot Springs, Yellowstone    Main Terrace, Travertine Terraces, Mammoth Hot Springs, Yellowstone

Durch die Schließung eines Teiles der Ringstraße wurde es nötig einen langen Umweg zu fahren um zu den Hauptattraktionen des Parks zu gelangen. Der östliche Teil der Ringstraße ist aber dennoch lohnenswert da es einen an dem "Grand Canyon des Yellowstone" mit seinen zwei großen Wasserfällen vorbeibringt, sowie am Sulfur-Caldron (eine brodelnde saure und stark schwefelhaltige Quelle), dem Mud-Volcano (Schlammvulkan) Gebiet mit mehrerer recht dynamischer Quellen und Schlammtümpel, sowie letztens das am Yellowstone See liegende West Thumb Basin wo mehrere heiße Quellen beobachtet werden können.

Yellowstone Canyon

Grand Canyon of the Yellowstone, View from Artists Point

Sulfur Caldron

Sulfur Caldron (which one), Acidic Hot Spring, Yellowstone   Bubbles on Surface of Sulfur Caldron, Acidic Hot Spring, Yellowstone

Mud Volcano Gebiet

Mud Volcano, Mud Volcano Area, Yellowstone   Dragons Mouth Spring, Mud Volcano Area, Yellowstone   Devils Tower National Monument, Laccolith, Phonolite Porphyry Columns,

Churning Caldron, Hot Spring, Mud Volcano Area, Yellowstone   Churning Caldron, Hot Spring, Mud Volcano Area, Yellowstone

West Thumb Basin ist relativ ruhig und dessen Bekanntheit beruht wohl hauptsächlich auf den Fishing Cone. Dieser Konus befindet sich in Ufernähe im See. Früher war es möglich auf dem Konus stehend zu fischen um seinen Fang dann in der sich im Konus befindenden heißen Quelle zu Kochen.

West Thumb Geyser Basin, Yellowstone  

Nach dem West Thumb Basin fuhr ich Richtung Westen an den Hauptattraktionen des Parks vorbei um mich in West Yellowstone Stadt am Westeingang des Parks einzuquartieren. Dort verbrachte ich die nächsten 5 Nächte, während ich tagsüber in den Park fuhr um die vielfältigsten Geysirbassins des Parks zu besuchen. Diese erstrecken sich über eine Länge von ungefähr 10km entlang der Straße und enthalten am südlichen Ende die absolute Hauptattraktion des Parks: Upper Geyser Basin mit Old Faithful und vielen weiteren Geysiren.

Wenn man diesen Bereich besucht ist es ratsam sich früh morgens zum Besucherzentrum zu begeben um sich dort die ausgehängten vorhergesagten Eruptionszeiten der großen Geysire zu notieren. Diese sollten als Basis für die Planung des weiteren Tagesablaufs dienen. Normalerweise werden Old Faithful, Castle, Grand, Riverside, Daisy und der etwas abgelegene Great Fountain Geysir vorhergesagt. Old Faithful ist etwa alle 90 Minuten Aktiv aber Castle Geysir eher alle 14 Stunden (zwischen 12 und 16). Man muss also viel Geduld mitbringen. Exakte Planung ist nicht möglich und an manchen Tagen ist keine Vorhersage für alle Geysire möglich. Am ersten Tag war zum Beispiel Castle durch eine kleinere Zwischeneruption außer Rhythmus geraten. Zwischen den großen Geysireruptionen kann man die Vielfalt der kleineren Quellen und Geysire in der Umgebung betrachten. Die folgenden Bilder sind nach Bereichen des Parks geordnet und zeigen die meisten Höhepunkte des Parks.

Der "Upper Geyser Basin" ist die Hauptattraktion in Yellowstone. Gleich in der Nähe des Besucherzentrums befindet sich der "Old Faithful" Geysir der so jede 90 Minuten ausbricht und sich durch diese Regelmäßigkeit seinen Namen verdient hat. "Castle" (Dt. Burg) Geysir dankt seinen Namen dem großem Konus, der durch eine wahrscheinlich mehrere tausend Jahre währende Tätigkeit des Geysirs entstanden ist. Eruptionen dieses Geysirs sind weniger häufig aber dafür viel andauernder. "Grand Geysir" sprüht ähnlich hoch wie "Old Faithful" aber über einen längeren Zeitraum und mit mehr Schüben. Man kann auch viel näher an diesen Geysir herankommen. "Riverside Geysir" ist am Firehole Fluss gelegen und sprüht auch direkt in den Fluss herein. Viele andere Geysire wie "Daisy", "Grotto", "Beehive", Lion Group", "Plume" und "Sawmill" wurden auch während des Besuchs bei ihren Ausbrüchen beobachtet. Dazu kamen viele heisse Quellen, von denen "Chromatic Pool" und "Morning Glory Pool" durch ihre Farben bestachen.

 Castle Geyser, Eruption with Rainbow, Upper Geyser Basin, Yellowstone   Grotto Geyser Erupting, Upper Geyser Basin, Yellowstone   Daisy Geyser Erupting, Upper Geyser Basin, Yellowstone

Riverside Geyser Erupting, Upper Geyser Basin, Yellowstone   Old Faithful Geyser Erupting, Upper Geyser Basin, Yellowstone   Sawmill Geyser, Upper Geyser Basin, Yellowstone

Chromatic Pool, Hot Spring, Upper Geyser Basin, Yellowstone   Grand Geyser Erupting, Upper Geyser Basin, Yellowstone   Morning Glory Pool, Upper Geyser Basin, Yellowstone 

Nördlich des "Upper Geyser Basin" und sowohl zu Fuß oder auch per Auto erreichbar liegt der kleine "Biscuit Basin". Dieser beinhaltet einige Quellen und auch den hübschen kleinen "Jewel Geyser" den ich bei einem Ausbruch erleben konnte. "Black Sand Basin" ist auch in der nähe des "Upper Geyser Basin" und beinhaltet weitere Quellen. Auch "Cliff Geyser" der über einen kleinen Fluss ragt ist zu sehen.

Jewel Geyser, Biscuit Basin, Upper Geyser Basin, Yellowstone   Cliff Geyser Erupting, Black Sand Basin, Upper Geyser Basin, Yellowstone

"Midway Geyser Basin" befindet sich ein paar Kilometer weiter nördlich und ist durch eine riesige Farbenprächtige Quelle, die "Grand Prismatic Spring" bekannt. Leider oft in Dampf gehüllt kann man diese Quelle eigentlich am besten aus der Luft betrachten, was mir aber nicht möglich war. Daher musste anstatt dessen ein nahe gelegener Hügel erklommen werden um sich etwas Überblick zu verschaffen. In diesem Basin befindet sich auch der Krater des vor vielen Jahren explodierten "Excelsior Geyser", der jetzt als heisse Quelle Unmengen von heißem Wasser fördert die in den Firehole Fluss überfließen.

 

Grand Prismatic Spring, Midway Geyser Basin, Yellowstone   Grand Prismatic Spring, Midway Geyser Basin, Yellowstone   Sinter Terrace, Grand Prismatic Spring, Midway Geyser Basin, Yellowstone

Steam Rising from Midway Geyser Basin, Yellowstone   Excelsior Geyser Overflow into Firehole River, Midway Geyser Basin, Yellowstone

"Lower Geyser Basin" liegt noch mal etwas weiter nördlicher und umfasst die "Fountain Paint Pot" (Dt. Springbrunnen Farbtopf) Gegend die einen rosafarbenen Schlammtümpel, Quellen und Geysire besitzt, darunter auch der ständig aktive "Clepsydra Geyser", sowie auch die Gegend um die Firehole Drive (eine Straßenschleife) die den großen "Great Fountain Geyser" sowie den "White Dome Geyser" mit seinem großen Konus beinhaltet. Diese lohnen auf jeden Fall einen Besuch, auch wenn man bei ungünstiger Windrichtung beim "Great Fountain Geyser" sehr nass werden kann. Dieses Kunststück gelang mir allerdings auch anderntags bei "Castle" und "Beehive".

 

Great Fountain Geyser Erupting, Lower Geyser Basin, Yellowstone   White Dome Geyser Erupting, Rainbow, Lower Geyser Basin, Yellowstone   Clepsydra Geyser, Fountain Paint Pot Area, Lower Geyser Basin, Yellowstone

 

Der Park beinhaltet auch viele weitere Sehenswürdigkeiten, wozu auch der "Lone Star Geyser" zu zählen ist der sich etwas abseits von den großen Geysirgebieten entlang des Firehole Flusses befindet. Eine etwa einstündige Wanderung führt einen zu diesem Geysir mit seinem wunderschönen Konus. Der Ausbruch, der etwa alle drei Stunden erfolgt, ist zwar etwas weniger beeindruckend aber trotzdem sehenswert. Leider haben bei diesem Besuch Wolken den Himmel überdeckt bevor der Ausbruch begann.

 

Lone Star Geyser Eruption, Geyserite Cone, Third Geyser Basin, Yellowstone   West Thumb Geyser Basin, Yellowstone   Sulfur Caldron (which one), Acidic Hot Spring, Yellowstone

Man hätte auch viel länger in Yellowstone bleiben können, allerdings hatte ich auch noch ein Paar andere Sachen vor. Zuerst ging es in Richtung Osten aus dem Park heraus und zu dem Turm des Teufels ("Devils Tower") im Bundesstaat Wyoming. Die fahrt war sehr langsam da die Amerikaner anscheinend leicht an den Führerschein kommen können und durch ihre inkompetente Fahrweise auf den Bergstraßen oft langsame und unüberwindliche Hindernisse darstellten. In Yellowstone hatte sogar mal wieder einer einen Büffel totgefahren den er angeblich nicht gesehen hatte. Der Sehtest dürfte also auch nicht so streng sein. Der Turm des Teufels dürfte vielen aus dem Film "Unheimliche Begegnungen der Dritten Art" (Steven Spielberg) bekannt sein da es dort als Kulisse für die Landung der Außerirdischen herhält. Eigentlich ist der Turm eine alte Magmakammer oder wenigstens Magmaintrusion, die über die letzten Millionen Jahre durch Erosionsprozesse freigelegt wurde. Der Turm ist mehrere hundert Meter hoch und hat riesige meist sechskantige Porphyritsäulen die zu den längsten dieser Art auf der Welt zählen.

Devils Tower National Monument, Laccolith, Phonolite Porphyry Columns, Not Basalt   Devils Tower National Monument, Laccolith, Phonolite Porphyry Columns, Not Basalt   Devils Tower National Monument, Red Sandstone, Spearfish Formation 

In der nähe des Turmes konnte auch eine Kolonie von Präriehunden beobachtet werden. Diese putzigen Tiere konnten auch am nächsten Tag im Badlands Nationalpark beobachtet werden, das ansonsten aber eher eine Enttäuschung war. Danach ging es zum Mount Rushmore wo die Gesichter vier historisch bedeutsamer US Präsidenten in den Fels gesprengt und gemeißelt wurden. Diese waren eher kleiner als man sich es vorgestellt hatte (jeweils etwa 20 m hoch) aber trotzdem sehenswert. Die unverschämte 10 USD Parkplatzgebühr hinterließ trotzdem einen faden Beigeschmack. Das ganze soll nicht-Profit-machend sein - da müssen die ja das Geld noch schlimmer zum Fenster rausschmeißen als unsere Politiker um am Ende des Jahres keinen Überschuss zu haben.

Black-Tailed Prairie Dog, Cynomys Ludovicianus, Wyoming, USA     

Am Ende der Fahrt stand ein kurzer Erholungsbesuch im Rocky Mountains Nationalpark in der Nähe von Denver an. Dieser ist für einen am Rande der Alpen lebenden Wahlmünchner nicht unbedingt spektakulär aber es sind trotzdem schöne unverschandelte Berglandschaften zu sehen sowie zu dieser Jahreszeit (Sept.) einige Hirsche die sich in der Brunft befinden. Das Wetter war ziemlich gut während der ganzen Tour und das Essensangebot in den USA ist auch in den letzten Jahren erheblich besser geworden (nur richtiges Joghurt sucht man meist vergeblich da die Amerikaner immer noch nicht begriffen haben das ein bisschen Milchfett kaum ins Gewicht schlägt wenn man sich ansonsten mit Burgern, Steaks und Pommes voll stopft). Dazu ist Denver ein wirklich schöner Flughafen mit sehr freundlichen Mitarbeitern was die Einreise angenehm macht. Flug und alle Unterkünfte wurden innerhalb von 10 Tagen vor der Abreise organisiert, allerdings waren einige der Unterkünfte der ersten Wahl schon voll, vor allem in Yellowstone wo man angeblich parkinterne Unterkünfte bis zu einem Jahr im Voraus buchen muss.  


Viele weiter Bilder und eine wissenschaftlichere Aufarbeitung (auf Englisch) sind auf der Webseite Photovolcanica zu sehen in den Sektionen Yellowstone und Devils Tower.

by Richard Roscoe

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© 2009, Photos und Text Richard Roscoe, Web Boeckel, last modification 18.10.2009