Hawai'i, Lavaqua at Pu'u'O'o 

Hawaii 2002, photographiert von Martin Rietze

 

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Anlässlich einer Reise zum Hawaii-Archipel ist es immer eine gute Idee für vulkanisch interessierte, zumindest für kurze Zeit Big Island zu besuchen. Dort, in einer der aktivsten vulkanischen Zonen der Erde ist eigentlich immer ein Ausbruch im Gang. Leider war bei meinem Besuch im Frühjahr 2002 gerade die gesamte Aktivität oberhalb von Pulama Pali in der Nähe des zur Zeit einzig aktiven Kraters Puu-Oo begrenzt. Um dorthin zu gelangen bedarf es guter Geländekenntnis und Wachsamkeit. In dieser höher gelegenen Gegend besteht eine dauerhafte Sperrzone, angeblich mit der Begründung von sehr gefährlichem Gelände. Nun zeigt sich meistens, daß dererlei Verbote in der Praxis nur dem Fernhalten von Touristen dienen und nichts über evtl. reale Gefahren aussagen. Daher beschloss ich am 25.4.2002, den mehr als10km langen und beschwerlichen Weg von der Küste zum Puu Oo allein zu gehen. 

         

W. Highcastle Eintritt

Oberhalb von Pulama Pali zeigte sich dann, daß das Gelände in der Tat gemeingefährlich wurde. Nicht etwa wegen zweifellos vorhandener Lava und anorganischen Dämpfen aller Art, sondern wegen besonders fragiler Pahoehoe-Kruste. Diese deckt praktisch das ganze Gelände zu und bricht unter jedem 3.ten bis 10.ten Schritt durch. Dabei können die Hohlräume darunter bis zu 2 Meter groß sein!!! Aber auch die kleinen Höhlungen zerschinden beim unvermeidlichen Einbrechen die Hose und die Schienbeine. Daher endete mein Weg ein paar hundert Meter vor dem Puu Oo-Konus zwischen einem aktiven Aa-Lavastrom und frischen Pahoehoe-Aufbrüchen. Ein weitergehen auch zwischen den damals vorhandenen Rootless-Shields (welche die gesamte Lava sammelten und damit die Küstenregion über längere Zeit lavafrei hielten) zum Konus war nicht mehr vertretbar.

        

2 Bilder links: Kurz vor der Entstehung des W. Highcastle Eintritts. Bild rechts: Pahoehoe vom 25.4. südl. vom Puu-Oo
 

Leider vereitelten starke nächtliche Starkregenschauer das geplante Biwak (Zelt war bei dem ohnehin überschweren Rucksack nicht dabei). Ich entschied mich deswegen im durchnässten Zustand für eine mehrstündige nächtliche Stolperei über zahlreiche Aa -Lavafelder (die im Gegensatz zum Tag erst dann sichtbar werden, wenn man schon fast drinsteht und sie nicht mehr umgehen kann !) und kam etwa um 3 Uhr morgens wieder unten an. Tatsächlich schaffte ich es noch in dem weitflächig sanft abfallenden Gelände an der einzigen Steilstufe vor der Küstenebene hängen zubleiben und an der brüchigen Kante 10 Meter abklettern zu müssen. 

   

Bild links: Kurz vor der Entstehung des W.
Highcastle Eintritts.  Bild rechts: Pahoehoe vom 25.4. südl. vom Puu-Oo

Interessant war dabei noch ein Skylight, welches Nachts schon von weitem sichtbar ist. Durch diese Öffnungen kann man einen Blick auf unterirdische, in Tunneln verborgene Lavaströme haben. Anmerkung: der bessere, obwohl weitere Weg (auf jeden Fall eine 2-Tages Tour) zum Puu Oo ist zweifellos von Westen über den Napau-Krater Sinnvoll ist bei dererlei Touren im weglosen Gelände ein GPS-Gerät, obschon ein Leuchtsignal am Straßenende bei der Küste eine gute nächtliche Orientierung erlaubt (falls man nicht gerade von Wolken eingehüllt ist). 

Vollmondbeleuchtetes Pahoehoe Feld südl. vom Puu Oo am 25.4.02

Nach der etwas rauen und nicht allzu ergiebigen Tour im Frühjahr beschloss ich spontan im noch mal rüber zufliegen, da (wie soll es auch anders sein !) ein paar Tage nach dem 25.4. ein größerer, neu entstandener Lavastrom direkt Kurs auf die Küste nahm und Lava über Monate ins Meer floss. Da kurzfristige Flüge nach Hawaii nur enorm schwer und mit finanziellen Hürden zu bekommen sind, musste ich mich bis September gedulden. Pünktlich Ende August stoppte dann jeglicher Lavafluß zum Meer.

   

Meereintritte bei Willipe'a am Morgen des 18.9.

Glücklicherweise begann aber der westlichste Eintritt namens Willipe'a von neuem, so konnte ich am 15.9.2002 Abends direkt am Ende der Chain of Craters Road den wunderschönen Meereintritt beobachten. Ein weiterer Glücksfall war, daß die einzelnen Eintrittspunkte nur von Osten eingesehen werden konnten. Dazu mußte das noch dampfende, mit aktiven Lavatunneln durchzogene Lavafeld überschritten werden. Dies hielt die zahlreichen Touristen am Straßenende hinter den Absperrungen zurück und erlaubte ein ungestörtes Beobachten bei
völliger Einsamkeit.

       

2 Bilder links: Willipe'a Eintritte am Abend des 15.9. Bild rechts: Highcastle Eintritt

Auch die Handvoll Fotografen, welche täglich die Lage auch für das HVO festhalten waren nur Morgens zugegen.
Besonders eindrucksvoll war das Erleben eines neuen Meereintritts bei Western Highcastle ein paar hundert Meter weiter östlich. Am gleichen Abend lief zum ersten Mal eine kleine Lavakaskade über die alte, etwa 7 Meter hohe alte Steilklippe zum unteren Plateau vor der Brandungszone.

 
überkrustete Pahoehoe-Lava südl. Puu Oo am 25.4.

Bei meinem 2.ten und 3.ten Besuch am Morgen des 17.9. und des18.9.(Photos oben) war dieser neue Eintritt schon mit Meerkontakt. Zusätzlich blieb der Willipe'a Mehrfacheintritt mit einigen kleinen Änderungen aktiv. Leider war der letztere Eintritt praktisch nur aus der Ferne zu Beobachten, da man oberhalb der Klippe keine Einsicht hatte und unterhalb die Wellen immerzu bis an die Steilküste schlugen. Beim neuen Highcastle Eintritt dagegen konnte am 18.9. bei deutlich verringerter Aktivität direkt zum Eintrittspunkt abgeklettert werden. Die dauern neu entstehenden faustgroßen Lavaklumpen wurden dabei von jeder neuen Welle wieder weggewischt.

M.Rietze, ich glaube links. Diese Photo bietet auch einen guten Größenvergleich!

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C2002Photos und Text Martin Rietze, last modification 18.3.2003