Indonesien: Inseln Lombok und Halmahera

Vulkane: Rinjani, Ibu, Dukono

   25.August bis 8.September 2009  

Alain de Toffoli, M.Rietze

in english

 

Cinema & Gif


Vulkan Rinjani, Lombok

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Mangels besonderer Vulkanausbrüche anderswo auf der Welt beschloss ich, doch schon wieder nach Indonesien zu fliegen. Zunächst war der Rinjani auf Lombok immer noch aktiv, da sich dessen Besuch bei der letzten Tour zeitlich nicht mehr einbauen ließ sollte sich nun die Gelegenheit dazu ergeben. Hauptanlass aber waren die Vulkane Ibu und Dukono auf Halmahera, diese sollten nach mehreren Quellen zumindest zeitweise aktiv sein. Zudem interessierte mich dieses abgelegene Indonesien, welches sich vom eng besiedelten Java grundlegend unterscheidet. Hier gibt es noch Stämme in den Regenwäldern, welche völlig abseits der Zivilisation leben. Leider gab es bei dem wie üblich sehr engen Zeitplan keine Gelegenheit, Flora und Fauna genauer kennen zu lernen. Ja nicht einmal ein Tag an den wunderschönen und einsamen Stränden ging sich aus.

Zuerst ging es aber alleine nach Lombok.

     

Hier sollte eine Nacht an der Kraterkante für die inzwischen recht schwache Aktivität des Rinjani reichen. Mit obligatorischem Guide und Porter ging es von Senaru auf der klassischen Trekkingroute auf 2600m zum Rim.

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Dort ist auch der allgemeine Lagerplatz wo auch andere Touristen den umfassenden Blick auf den Kratersee Segara Anak mit darin befindlichem jungem Schlackekegel Gunung Baru genießen.

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Dieser schob über die letzten Monate eine neue Lavalandzunge in den See, derzeit sah man noch einen zähen Aa Lavastrom und einen glühenden Schlot an seinem Hang. Die Ausgasungen erzeugten durchaus Lärm, aber es waren keine Strombolianischen Auswürfe mehr zu beobachten.

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Nach dem Abstieg lohnt immer wieder der Abstecher zu den Wasserfällen nahe dem Bergdorf Senaru, eine willkommene Auffrischung.

Vulkan Ibu, Halmahera

Tags darauf ging es mit der etwas klapprigen Fähre nach Bali. Dort gibt es gute Flugverbindungen nach Sulawesi und seit neuesten mit Propellermaschine direkt weiter nach Kao auf Halmahera. Nun reiste ich in Begleitung von Alain (siehe auch letzte Indonesientour), dieser wollte nach vielen Jahren auch wieder einmal Halmaheras Vulkane sehen und die Veränderungen dokumentieren.

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Erst jetzt nach abklingen der blutigen Unruhen ist das bereisen von Halmahera wieder problemlos. Jedoch muss man sich klar sein, dass abseits der Städte kaum Englisch gesprochen wird und es keine Verkehrsmittel über größere Distanzen gibt. Tourismus wird eher kleingeschrieben, hier erregt man noch wirkliches Aufsehen als Weißer in einem Einheimischendorf.

Daher hier nochmals vielen Dank an Alain für die große Hilfe diesbezüglich.

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Da die eingesetzte Maschine nicht wie erwartet in die Hauptstadt Tobelo sondern 2 Fahrstunden weiter südlich nach Kao mitten ins Nichts. Weiter existiert die direkte Straßenverbindung von dort zum Vulkan Ibu mit gleichnamigen Ort Ibu nicht mehr, ein Opfer der Regenzeiten. Daher mussten wir 8 Stunden lang der ganzen Ostküste entlang umfahren, und das gleich mit einem spontan ausgehandelten Privatfahrzeug da keine Bemos o.ä. solche Distanzen ohne Mehrtagesreise verfügbar sind. Nichtsdestotrotz kommt man irgendwann am Straßenende an und verhandelt mit dem Chief of the Village über Besteigungserlaubnis und Guide mit Porter.

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Die lange Zeit mit kaum Besuch aus dem Ausland schafft inzwischen härtere Bedingungen am Berg, die Route muss manchmal mit der Machete neu definiert werden. Für Europäer ist der Anstieg im Gebüsch des Steilwaldes bei tropischem Klima durchaus spannend.

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Der komplett zugewachsene Kraterrand ist teilweise verkohlt, durch die heiße Lava des wachsenden Doms entstehen dauernd kleine Buschbrände. Diese verkohlten Stumpen erzeugen eine wahrlich gespenstische Szenerie. Das Freischlagen eines Durchblicks und der Zeltplätze war eine stundenlange Knochenarbeit, glücklicherweise hatten wir einen bärenstarken Guide dabei.

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Der Krater hat sich über die letzten 10 Jahre mit einem riesigen Dom gefüllt. Dieser besitzt etliche Austrittspunkte, aus denen Asche und Gas mit strombolianischen Auswürfen begleitet austritt. Während unserer Anwesenheit waren jedoch nur zwei aktiv, die Einheimischen berichten von zeitweise bis zu 6 gleichzeitig aktiven.

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Das Erlebnis liegt hier in der Ursprünglichkeit und Einsamkeit dieses Vulkans, in den letzten Jahren haben nur wenige Ausländer den Kraterrand besucht. Da lässt sich die relativ geringe Aktivität verschmerzen, der Vulkantypus und seine Eigenheiten sind dennoch gut erkennbar. Interessanterweise gehen die Einheimischen in den Dörfern am Fuße des Ibu recht sorglos damit um. Immerhin kann der Dom in den nächsten Jahren ohne weiteres über den Kraterrand wachsen.  Nach zwei Nächten ging es wieder hinab, zwar war das Wetter durch den aufkommenden El Nino unüblich trocken, dennoch verhinderten Nebel, Hochwolken und der hartnäckig verwachsene Kraterrand ausgefeilte Aufnahmen.

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Vulkan Dukono, Halmahera

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Nun hieß es wieder 8 Stunden lang in die falsche Richtung fahren, da Tobelo sonst nur zu Fuß erreichbar wäre. Schon von weitem sahen wir eine enorme schwarze Wolke und glaubten zunächst an einen Waldbrand. Diese stellte sich später als Dukono-Aschewolke heraus. Um keine Zeit zu verlieren versuchten wir mit Unterstützung vom vulkanischen Observatorium aus mit Verhandlungen des lokalen Bürgermeisters den eigentlich gesperrten Dukono zu organisieren. Dies gelang scheinbar problemlos. Lediglich am nächsten Tag warteten wir dann vergeblich auf unser Geländefahrzeug und die Guides/Porter. Keiner wollte zum Dukono, das lag natürlich zuerst am Ramadan, welcher hier in der islamischen Region sehr ernst genommen wird. Aber auch daran, dass der Dukono seit einiger Zeit wieder eine große Aschewolke ausstößt, welche sich dutzende Kilometer weit über das Land ausdehnt.

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Was das bedeutet wurde mir wenig später sonnenklar, die anfängliche Freude nach mehrstündigem Warten doch noch Guides und ein Geländefahrzeug aufgetrieben zu haben sollte sich schnell wandeln. Denn mit jedem Kilometer, welchen man sich dem Vulkan nähert liegt mehr Asche auf den Büschen und Bäumen, welche bei der kleinsten Berührung in Kaskaden herab fällt. Dann streikt auch noch der Toyota, Filter dicht, Motor Totalschaden. Der Fahrer kann's nicht glauben und füllt den Treibstoff ohne Umwege direkt in den Motorblock, keine Chance.

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Zu Fuß geht es nun weiter, schon nach 100m sieht man nicht mehr aus wie ein Mensch, die Asche legt sich in jede Pore und bildet eine durchgehende Schicht. Findet man anfangs noch Pfützen zum waschen, gibt man das bei weiter steigender Aschedichte irgendwann auch auf. Im nachhinein wundert es mich warum überhaupt ein Guide mitgeht... zumal die unübliche Trockenheit zusammen mit der Asche die normalerweise vorhandenen Wasserstellen verschwinden ließ. Am Ende der Vegetationszone bietet eine ebene Fläche eines alten Kraterbodens eine ideale Campgelegenheit. Für Abwechslung vom abschütteln der ständig fallenden Asche von den Zeltwänden sorgen aggressive Ratten.

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Dukono Siff, Photos oben Mitte und untere Reihe von Alain de Toffoli

Diese dringen durch kleinste Ritze in den Zelten, laufen über die schlafenden und wollen da gar nicht mehr heraus... sogar Bisswunden waren zu verzeichnen. Eine kurzfristig bessere Windsituation erlaubte einen Aufstieg zum Kraterrand, überraschenderweise war die Asche dort nur knietief und man konnte tatsächlich bis an den scharfen Grat.

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Eine fast unwirkliche Situation, die tiefe Sonne zaubert in den Aschedünen ein goldgelbes Licht, die Aschefahne zieht empor und weit ins Land hinaus, unter mir 200m tiefer in der Mitte des Kraters ein einziger Schlot mit enormen Überdruck, der Lärm ist so laut dass es in den Ohren schmerzt und der Boden vibriert oftmals.

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Nachts bei Vollmond sieht man auch die glühenden Schlacken, welche dieser Schlot auswirft. Jedoch ist es außerordentlich schwer, freie Blicke abzuwarten. Fast immer steht man direkt in der Aschewolke, die Kamera altert um Jahre, die Augen und Lungen sind voll Asche.

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Insgesamt waren es in den zwei Tagen und Nächten nur insgesamt wenige Minuten (!) mit wirklich freiem Blick in den Krater. Wie am Ibu sind daher ausgefeilte Bilder kaum zu bekommen. Nach dem Rückmarsch treffen wir wieder auf unseren Fahrer-samt Fahrzeug. Er hatte es in den letzten beiden Tagen nicht mehr flott bekommen. Wir schieben gemeinsam noch eine Stunde umsonst damit herum und brauchen unsere letzte Wasserreserve auf-und machen uns danach gemeinsam doch zu Fuß in der Mittagshitze auf. Am Abend ist dann in Tobelo Trinken und Hotel angesagt. Fazit dieser Reise: ein tolles Abenteuer, das ich nicht missen möchte. Zum Beispiel die Erfahrung wie dreckig und durstig man werden kann und doch noch gefallen daran findet. Und vor allem der unauslöschliche Eindruck, wieder mal körperlichen Kontakt mit der Urgewalt Vulkanismus in einer für mich fremden Gegend zu haben.

Auch wenn es diesmal unter den gegebenen Bedingungen nicht möglich war, das optimale Bild zu erwischen. Nur zu schade, nicht mehr Zeit für die Fauna, die Einheimischen und die Strände zu haben. Zum Beispiel sieht man riesige tropische Schmetterlinge und Nashornvögel überraschend oft, mehr Zeit auch für solche Dinge würden sich sehr lohnen. Vielleicht beim Nächsten Mal.


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© 2009, Photos und Text M. Rietze, Web Boeckel, last modification 18.10.2009