Vulkan Anak, Krakatau

   Indonesien, Mai 2008  

M.Rietze, R.Roscoe

 

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Durch die grosse Eruption von 1883 wurde Krakatau zu einem der historisch interessantesten Vulkane. Die durch diesen Ausbruch ausgelösten pyroklastischen Stöme und Tsunamis forderten über 30000 Menschenleben. Vom ehemaligen Vulkanaufbau blieben nur drei kleine, um das Eruptionszentrum angeordnete Inselreste übrig. 1927 begann in der Mitte dieser Inseln Unterwasser erneut Aktivität, aus dieser sollte später Anak Krakatau hervorgehen, der Name bedeutet übersetzt 'Kind des Krakatau'. Ende Oktober 2007 begann eine neue Eruptionsphase am neuen Krater des Anak Krakatau. Obwohl wir damals keine Zeit für einen spontanen Besuch hatten und die Aktivität in den folgenden Monaten einschlief, beobachteten wir die Seismik und die Webcam weiter. Im Mai 2008 wurde Anak Krakatau dann wieder aktiv, Aschewolken konnten mehrfach am Tag mittels der Webcam beobachtet werden. So beschlossen wir (Richard und Martin) nun, Krakatau so schnell wie möglich zu besuchen bevor die Aktivität wieder endet. Alain (Azimut Travel) organisierte ein Fischerboot mitsamt Führer, welche uns für 4 Nächte auf Krakatau begleiteten. Nach einer problemlosen Überfahrt im ruhigen Meer begrüssten uns die ersten strombolianischen Eruptionen mit teils eindrucksvoller Akustik.

Wir landeten am Strand der Insel Rakata um unser Basislager zu errichten, diese Insel ist einer der drei Überreste von 1883.

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Die vor kurzem vom Hauptkrater ins Meer geflossenen Lavaströme waren leider nicht mehr aktiv, dennoch war die Aktivität immer noch sehr beeindruckend.

Glühende Brocken wurden bis 400m über den Kratergipfel geworfen. Ab und zu konnten enorme Lavafetzen in Autogrösse beobachtet werden, die aufgrund ihres Gewichts nur wenig über die Kraterkante angehoben wurden. Einige Ausbrüche enthielten im wesentlichen Asche, andere dagegen weisse Gas-und Dampfwolken mit vielen mitgerissenen Brocken und Lavafetzen.. Der Vulkan hatte abwechselnde Phasen mit unterschiedlichen Ausbruchsformen, welche einige Stunden dauern konnten. Die Eruptionen waren oft ausserordentlich laut, man konnte sie richtig 'fühlen'. Sogar das Echo von den Wänden der kilometerweit entfernten Felswand von Rakata war überaus deutlich. Insbesondere während des Nachtaufenthalts auf Anak Krakatau war da an Schlaf nicht zu denken.

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Leider vereitelte die Wetterlage mit wenig Wind und starkem Dunst die Fotografie vom Rakata-Strand aus. Gerade dieser Ort wäre eine gute Perspektive für einen Blick in den neuen Krater. Zudem ist diese Bucht mit seinem ruhigen Wasser ein beliebter Nacht-Ankerplatz für Fischerboote aus der Umgebung.

Wir hatten mehrmals unsere sorgfältig justierten Kamerastative umzusetzten, um den neu ankommenden Booten, welche im Vordergrund ankamen und ankerten auszuweichen.

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 Nachtaufnahmen von Rakarta aus

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Der erste Tag mit Beobachtungen vom Boot aus direkt vor der Küste Anak Krakataus zeigte Eruptionen mit selten mehr als 10 Minuten Abstand und oft in direkter Folge. Deutlich erkennbar waren verschiedene Austrittspunkte, was auf mehrere Vents schließen liess. Die Fotografie erwies sich als schwierig, da das dahindriftende Boot oft übermässig in den Wellen schaukelte.

Einmal landeten größere Brocken im Wasser unweit des Bootes, von da an hielt der Kapitän mehr Abstand zur Küste.

 

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Abends liessen wir uns mit dem inzwischen bewährten kleinen Kanu an die südliche Aa-Lavaküste von Anak Krakatau absetzen.

Danach zog sich das Boot nach Rakata zurück.

Viele starke Eruptionen, welche oft die Flanken des Kraters mit Glutbrocken eindeckten machten die folgende Nacht zu einem schlaflosen und beeindruckenden Spektakel. Dabei gaben wir den ursprünglichen Plan, zum Kraterrand aufzusteigen und in den Krater zu Fotografieren endgültig auf.

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Überschlagsblitze in der Eruptionswolke. Den elektrostatischen Part übernimmt hier die Reibung der Aschepartikel. Ein ähnliches Prinzip zeigt ein Gewitter, wobei das Zusammenwirken von Regen bzw. Hagel und Wind den Potentialunterschied aufbaut.

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Eine Glutbombe landete nur etwa 20m vor unseren Füssen, etwa 700m vom Krater entfernt. Wir konnten sie anfliegen sehen, es dauerte etwa 15 Sekunden bis zum Einschlag. Sie hatte etwa 40cm Durchmesser. Schlafen wäre dort zu gefährlich und der Lärm dafür viel zu laut. Bei größeren Eruptionen konnte das Sirren der meerwärts fliegenden Bomben deutlich wahrgenommen werden.Relativ selten konnten bei Eruptionen mit hohem Ascheanteil Überschlagsblitze beobachtet werden, leider sind diese schwer mit der Kamera zu timen.

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Am nächsten Morgen blieben wir für die Tagbeobachtung, bis die Sonne zu heiss wurde. Danach setzten wir zum inzwischen eingetroffenen Boot über und nahmen wieder die Beobachtung vom driftenden Boot aus auf. Leider ist das Wasser vor dem Krater recht tief, ankern ist daher nicht möglich und daher mußten wir öfters umsetzten.

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Die folgende Nacht verbrachten wir wieder auf Rakata, auch da wir ein paar Stunden Schlaf benötigten. Der Dunst blieb ein Problem für die Nachtbilder und Richard lief um sein Leben als ein Stück der hier steilen Felswand von Rakata mit Getöse hinter seinem Standplatz abrutschte.

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Am dritten Tag besuchten wir mit dem Boot die SW-Küste von Rakata. Hier zeigen sich die erodierten Ablagerungen des 1883 Ausbruchs besonders deutlich. Später am Tag drifteten wir wieder vor dem Krater, um Nahaufnahmen der Ausbrüche zu beobachten. Dabei waren einige schöne Ascheeruptionen zu sehen, bei den schönsten zeigte natürlich wieder die Kamera aufgrund des Bootsschaukelns in den Boden.

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Die folgende letzte Nacht kehrte Martin zu Anak Krakatau zurück und suchte eine Stelle mit besserem Kratereinblick weiter im Süden. Richard wollte dagegen seine Pläne einer perfekten Gesamtübersicht umsetzten und versuchte sein Glück nochmals am Strand von Rakata. Obschon das Wetter Abends sehr vielversprechend aussah wurde es die schlechteste Nacht von allen, Gewitter zogen nahe vorbei und immer wieder setzte Regen ein, der Mond wurde meist von Wolken verhüllt. Fotografie von Rakata aus war daher nicht möglich, aber Martin hatte aufgrund der Nähe zum Krater nochmal eine besonders eindrucksvolle Nacht. Leider konnten einige eindrucksvolle Phänomene nicht fotografiert werden, da die Kameras immer wieder vor dem Regen abgedeckt werden mußten. So zeigte eine hohe Aschewolke nach deutlich hörbarem Knistern einen beachtlichen Blitz vom Ansatz bis zur Spitze

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Auch Rauchringe waren zu sehen. Am ästhetischsten waren jedoch ohne Zweifel die Farbenspiele der aus dem Krater abziehenden Aschewolken.

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Detailaufnahmen zeigen das die hoch ausgeworfene Lava immer noch von plastischer Konsistenz ist

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In der Morgendämmerung wurde das Lager auf Rakata abgebaut und im Boot verstaut. Martin wurde von Anak abgeholt und nach einem gemütlichen Frühstück fuhren wir zur Südspitze von Rakata zum Schnorcheln. Dies war eine willkommene Abkühlung obwohl viele kleine Quallen das Vergnügen etwas schmälerten.

Am frühen Nachmittag starteten wir die 3 Stunden Überfahrt nach Carita an der Nordseite Javas. Dort verbrachten wir die letzte Nacht vor dem Abflug von Jakarta. Zwar verlief die Überfahrt problemlos, aber vor Einlaufen in den Hafen liefen wir auf einen Felsen. Es entsatnd jedoch gein bedeutender Schaden, so konnte man dies als ein kleines Abenteuer abtun. 30 Minuten danach begann ein stärkeres Gewitter mit heftigem Regen, aber da waren wir schon im Hotel.

Diese Tour war zwar sehr eindrucksvoll und lohnend, aber das konstant dunstige Wetter vereitelte viele gute Bilder.

Für weitere Bilder und detaillierte Hintergrundinformationen siehe

Photovolcanica.com ,   ALPE, images by M.Rietze

 

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Vom Ätna zum Stromboli      Planets & Space

© 2008 Photos und Text by M.Rietze (mr) and R. Roscoe (rr),

web,boeckel ,last modification 6/15/2008