Soufriere Hills II

Montserrat Tour, März 2006 

Martin Rietze, Richard Roscoe

in english

 

Nachdem unsere BA Maschine so lange über Antigua gekreist war, dass einem fast schwindlig wurde, und wir daraufhin die langsame Einwanderungsprozedur überstanden hatten, rannten wir mit unserem Gepäck zum Winair Schalter und konnten gerade noch 20 Minuten vor Abflug der letzten Maschine des Tages nach Montserrat einchecken.

Kartenmaterial zur Orientierung

Nach dem kurzen Flug mit der alten DHC-6-300 Maschine verließen wir den Flughafen auf Montserrat schnell in Richtung eines Supermarktes um unseren Proviant zu vervollständigen.  Danach ließen wir uns zum Jack Boy Hill Observationspunkt (Fig.1) fahren wo wir vom glühenden Soufriere Hills Vulkan erwartet wurden, der nur eine kleine Wolkenkappe hatte (Fig.2a, 2b, 2c).  Da der Vulkan oft über Tage in Wolken steckt war dieser erste Anblick eine riesige Erleichterung.  Es war der erste Blick auf den Vulkan für Martin, während ich schon zum dritten Mal auf dieser charmanten kleinen Insel mit seinem sich immer ändernden Vulkan zu Gast war.

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Die Nacht wurde auf dem Aussichtspunkt verbracht um die ersten Bilder von dem 5km entfernten Dom in den Kasten zu kriegen.  In der Morgendämmerung "schwangen" wir je 40 Kilo Gepäck auf die Schultern und begaben uns auf den Weg in die Sperrzone.  Wir überquerten durch Erosion schon leicht zerfurchte Ablagerungen früherer Pyroklastischer Ströme (Fig.3a) und schritten langsam in Richtung der verlassenen und halb zerstörten Siedlung von Bethel (Fig.3b). Dabei war die Hoffnung über die überwachsene Siedlung weiter in Richtung der nächsten Siedlung "Long Ground" vorzurücken, um eine geeignete und einigermaßen sichere Stelle zum beobachten Pyroklastischer Ströme einzunehmen.

3a (rr)    3b (rr)    4 (rr)    5a (mr) 

Als wir die bewachsenen Überreste von Bethel erreichten mussten wir feststellen, dass Plan A nicht umsetzbar sein würde.  Die Gegend ist sehr dicht mit relativ macheteresistenten Dornenbüschen überwachsen, die Häuser in schlechten Zustand und voller Wespennester (Fig.4).  Nach höchstens 100m Wegstrecke die mit der Machete freigeschlagen werden musste, ließen wir uns an einer Stelle zwischen den Büschen nieder wo die Vegetation wenigstens nicht den Blick Richtung Dom versperrte.  Hier haben wir für die nächsten 2 Nächte Lager aufgeschlagen (Fig.5a, 5b, 5c).  Die Sicht auf den Vulkan war leider oft durch Wolken verschleiert und heftiger Regenfall führte zu einem frustrierendem Nachmittag in engen Zelt. 

5b (rr) 5c (mr)   

Trotzdem war es teils möglich eine gute Aussicht auf den Dom zu bekommen (Fig.6a, 6b, 6c) und es konnten einige kurze Pyroklastische Ströme im oberen Tar River Valley beobachtet werden (Fig.7a, 7b, 7c).  Leider war aber die PS Aktivität generell etwas enttäuschend da sich in den letzten Wochen die Domaktivität in den nördlichen Bereich des Doms verschoben hatte.

6a (mr)    6b (mr)    6c (rr)

7a (mr)     7b (mr)     7c (rr)

Am dritten Tag wanderten wir Richtung Küste um einen alternativen Ausblick zu bekommen und um uns in Stellung zu bringen für einen kurzen Besuch des Tar River Valley über die Küstenroute (Plan B).  Am Morgen hatten wir einen relativ klaren Blick auf den Dom (Fig.8a, 8b, 8c, 8d), später zogen aber Wolken ein die uns bis zum Ende dieses Ausflugs begleiten sollten. 

  8a (mr)

8b (rr)    8c (mr)   8d (rr)

Am Abend liefen wir dann an der Küste entlang bis zu den ins Meer herausragenden PS Ablagerungen am Tar River Valley (Fig.9 a, b, c).  Anzumerken ist an dieser Stelle, daß Tar River Valley jederzeit sehr gefährlich ist und bei höherer Aktivität oder Aktivität im südlichen Domsektor ein Besuch fast selbstmörderisch wäre.  Trotzdem entschlossen wir uns nach mehrtägiger Observation der Aktivität, das Tal zu durchqueren und uns am gegenüberliegenden Hang einzunisten. 

9a (rr)    9b (mr)    9c (mr)

Nach Überquerung der tiefen Erosionsfurchen im Tal, welche eine schnelle Flucht verhindern würden, fanden wir eine geeignete Stelle die allerdings dem Regen und herumwehenden Sand ausgesetzt war.  Es sollte also mal wieder eine "bequeme" Nacht werden.  Trotzdem konnten wir Aktivität im unterem Dombereich beobachten (Fig.10a, 10b, 10c, 10d). 

      10c (mr) 

   10a (rr)   10b (rr)  10d (mr)

Sogar ein kleiner Pf war zu erkennen (Fig.10c) (!).  In der Morgendämmerung konnten wir erstmals die gelb-rote pastellfarbene Landschaft richtig bewundern welche maßgeblich durch frühere PS-Ablagerungen gestaltet wurde (Fig.11a, 11b, 11c).  Ablagerungen eines vor kurzem abgegangenen PS waren auf dem Talboden wie eine hellfarbene Klaue zu erkennen (Fig.11b).

  11a (mr)  11b (rr)  11c (mr)

Nach diesem kurzen Besuch kehrten wir an unseren Ausgangspunkt zurück, wo wir einen Teil unseres Gepäcks ziegensicher verstaut hinterlassen hatten.  Da unsere Wasservorräte zu Neige gingen entschlossen wir uns Kokosnüsse zu sammeln. Dies war ein Erfolg, ausser den 5 Stichen und auf der Flucht erlittenen Dornenkratzer die ich mir bei einem Wespenangriff zuzog..  Dieser war wohl durch das Aufheben einer Kokosnuss 1m von einem zu Boden gefallenen Wespennest erfolgt.  Der Angriff war überraschend, da sich die Wespen generell als sehr ruhig und annäherbar erwiesen hatten. 

Dank Martins Einsatz mit der mittlerweile stumpfen und verbogenen Machete konnten wir Kokusfleisch und Saft im Überfluss genießen

Die letzte Nacht war wolkig und es ergaben sich kaum Gelegenheiten zum Fotografieren.  Trotzdem gelang dieses Bild von einem Haus mit einem Felsen auf dem Dach, welcher die Kraft der Lahars deutlich aufzeigt (Fig.12).   Der anschließende Aufstieg zum Jack Boy Hill wurde kurz unterbrochen durch eine wohl in der Nacht geborenen Ziege die mich als seine Mutter adoptieren wollte.  Ich hätte den niedlichen kleinen Kerl auch gerne mitgenommen aber da ich nicht gerade der Weltmeister im Laktieren bin wäre dies sicherlich bald ein Problem geworden.  Nachdem ich die Ziege zu seiner Mutter getragen hatte und es trotzdem zu mir zurückkehrte mußte es mit leichten Tritten und stochern mit den Wanderstöcken entmutigt werden.  Letztendlich verschwand es in den Büschen neben der Strasse.  Das Junge sahen wir dann Tage später glücklich mit seiner Mutter vereint.

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Nach 4 Tagen auf der Ostseite Montserrats beschlossen wir uns die verlassene Hauptstadt Plymouth anzusehen, und da sich die Möglichkeit ergab auch eine Fahrt auf St. Georges Hill zu unternehmen.  Wir ließen uns im View Pointe Hotel nieder, welches eine komfortable und freundliche Basis für die Erkundung dieser Seite der Insel bietet.  Die Fahrt auf St. Georges Hill kann leicht per Taxi unternommen werden (außer wenn die Sperrzone wieder ausgedehnt wird), allerdings sind die Kosten relativ hoch und werden besser mit weiteren Fahrgästen geteilt.  Da wir erst am Nachmittag hochfuhren, präsentierte sich der Vulkan im hellen Sonnenschein (Fig.13a, 13b).  St. Georges Hill bietet einen guten Aussichtspunkt auf die Laharschäden im Westen Montserrats (Fig.14a, 14b).

 13a (rr)  13b (mr)

 14a (rr)  14b (mr)

Nach einem ansonsten relativ entspannenden Tag an dem wir Lebensmittel und Wasser für die nächsten Tage besorgten, wanderten wir früh am nächsten Morgen nach Plymouth.  Da sich die vom Vulkan ausgehende Gefahr erhöht hat, betreten nun die im Januar noch anwesenden Arbeiter nicht mehr die Stadt.  Nachdem wir fast einer Polizeikontrolle in die Arme gelaufen waren (dies kann sehr teuer werden, da angeblich unauthorisiertes Betreten der Sperrzone eine Geldstrafe von um die 800 USD kosten kann), hielten wir uns erstmal in Gebäuden auf und suchten dabei interessante Fotomotive.  Einige hiervon konnten im Montserrat Technical College (Fig.15a, 15b, 15c, 15d) und in und um verschiedene Läden (Fig.16a, 16b, 16c, 16d) entdeckt werden. 

15b (rr)   15a (mr)   15c (rr)      15d (mr)

16a (mr)   16b (mr) 

16c (rr)   16d (mr)

Es sollte erwähnt werden, dass wir in keine Gebäude eingebrochen sind (die meisten sind sowieso schon offen), und auch daß wir keine Gegenstände entfernten.  Am Nachmittag näherten wir uns dann vorsichtig dem Stadtzentrum und hatten dabei die Möglichkeit den Vulkan bei nur geringer Bewölkung im Hintergrund zu betrachten.  Die folgenden Bilder zeigen Gebäude im Zentrum von Plymouth (Fig.17a, 17b, 17c, 17d).

17a (mr)  17b (rr)  17c (rr)  17d (rr)

Nach Sonnenuntergang verließen wir die Stadt, Machete in der Hand falls wir Schweinen über den Weg laufen sollten, und konnten nach kurzer Wanderung eine Mitfahrgelegenheit nach Belham Valley auf einem Pickup nutzen.  Von dort wanderten wir zurück zum Hotel.  Wer in die Sperrzone eindringt sollte wissen daß von mehreren Angriffen auf Menschen durch verwilderte Schweine berichtet worden ist.  Es gibt auch Gerüchte daß mehrere Menschen in den letzten Jahren in der Sperrzone verschwunden sind.  Es wird von Einigen behauptet daß die Schweine dafür verantwortlich sind, allerdings gibt es hierfür keinen direkten Beweis.  Trotzdem scheint es sinnvoll eine Machete mitzunehmen um wenigstens etwas Schutz zu haben.  Auf jeden Fall ist Urlaub in der Sperrzone in gewisser Weise vergleichbar mit einem Urlaub auf dem Bauernhof, da Schweine, Kühe (Stiere !), Esel und viele Ziegen dort anzutreffen sind (Fig.18).

18 (rr) 

Am vorletzten Tag unseres Besuches ließen wir uns wieder zur Beobachtung in der Nähe von Bramble Airport nieder (Fig.19).  Leider blieb der Dom aber diesmal in Wolken und es wurde Bekanntschaft mit einigen beißenden und stechenden Insekten gemacht. 

19 (rr) 

Am nächsten Tag verließen wir etwas enttäuscht unseren Beobachtungspunkt und brachen Richtung Flughafen auf.  Nach dem kurzen Flug nach Antigua verbrachten wir einige Stunden in der Hauptstadt St John bevor wir unseren BA Flug nach London nahmen.  Es ist interessant, dass der Stil vieler Gebäude in dieser Stadt dem von vielen der verschütteten Gebäude in der Altstadt von Plymouth ähnelt (Fig.20a, 20b).

20a (rr)  20b (rr)

Der Soufriere Hills Vulkan ist momentan wieder in einer Phase des rapiden Domwachstums.  Das Betreten der Sperrzone ist illegal und wird nicht vom Autor dieses Berichtes ermutigt.  Wer trotzdem die Sperrzone betreten möchte muß mit Gefahren durch Tiere, Gebäudekollaps, Lahars und Pyroklastischen Strömen rechnen.  Insbesondere sollte die Gegend um das Tar River Valley gemieden werden.

Sobald der Dom andere Teile des Schutzwalls, welcher durch die Überreste des Doms von 2003 entstanden ist überwächst, werden weitere Bereiche einem sehr hohem Risiko durch Pyroklastische Ströme ausgesetzt sein.  Alle Bereiche um den Dom herum sind natürlich bei einem massivem Zusammenbruch des Doms stark gefährdet.  Besucher sollten v.a. nicht vergessen daß sogar Bramble Airport (4km vom Dom) in der Vergangenheit schon mal von einem PS erreicht wurde.  Aktuelle Aktivitätsberichte befinden sich auf der informativen Webseite des Montserrat Volcano Observatory (www.mvo.ms).  Es ist zu erwähnen, dass die MVO Mitarbeiter sehr deutlich vor einem Besuch des Sperrgebietes warnen.

Weitere Infos bei: Photovolcanica.com

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©   2006 photos and text Richard Roscoe (rr)   photos Martin Rietze (mr), Web Boeckel, last modification 14.4.2006