Nyiragongo, Kongo

21.1.-28.1.2007 by Martin Rietze 

Organisation: Tom Pfeiffer- VOLCANO DISCOVERY

 

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Hauptziel der Reise war die Besichtigung des derzeit größten und aktivsten Lavasees der Erde im Krater des Nyiragongo-Vulkans. Der Nyiragongo befindet sich im östlichen Kongo etwa 20km nördlich vom Lake Kivu nahe der Stadt Goma. Dieser dominante, 3469m hohe Stratovulkan gehört zur Virunga Vulkankette, welche sich im westlichen Arm des ostafrikanischen Rift Valleys von Ruanda in den Kongo hinein erstreckt. Der Gipfelkrater hat einen Durchmesser von etwa 1200m und fällt extrem steil von mehreren Terassen unterbrochen etwa 600m bis zum derzeitigen Lavaseespiegel ab. Die Nyiragongo-Lava ist besonders dünnflüssig, was zu einer schnellen Lavaseebewegung führt. Dieser Lavasee kann über Jahrzehnte bestehen, dabei kann sein Lavastand kurzfristig stark variieren. Diese extrem dünnflüssige Lava führt bei den alle paar Jahrzehnte stattfindenden Flankeneruptionen zu enormen Zerstörungen, da die Stadt Goma direkt am Bergfuß liegt und die sehr hohe Ausbreitungsgeschwindigkeit der austretenden Lava unvermittelt bis zum Stadtzentrum vorrücken kann. Anders als bei den langsam dahinfließenden Lavaströmen anderer Vulkane bleibt dabei kaum Zeit zur Flucht. So sind die Spuren des Ausbruchs vom 17.1.2002 noch heute anhand von begrabenen Straßen, Häusern und Autos unübersehbar.

 Da eine Anreise per Flugzeug direkt in den Kongo u.a. mangels vertrauenserweckender Flugzeuge kaum in Frage kommt bleibt nur der Landweg über das inzwischen überraschend stabile Ruanda. Der Aufenthalt in Kigali, der Hauptstadt Ruandas zeigt die enormen Fortschritte, welche seit dem Genozid vor 12 Jahren erreicht wurden. Dennoch vermitteln Erfahrungsberichte und Zeitdokumente hautnah und sehr bedrückend die unbeschreiblichen, menschenverachtenden Vorgänge von damals. Der Grenzübertritt in den Kongo erwies sich als überraschend unkompliziert, durch die stetige Präsenz der ausländischen Schutztruppen kann man sich zumindest in Goma relativ sicher fühlen. Bei Kontakten mit der einheimischen Bevölkerung spürt man doch oftmals, dass die Nerven blank liegen und die erstaunliche Freundlichkeit schnell in Aggression umschlagen kann. Obschon man auch hier auf wohlhabendere Personen trifft, lebt die absolute Mehrheit der Bevölkerung in sehr elementaren Verhältnissen. So dienen auch schon mal in der Lava von 2002 versunkene Buswracks als Mehrfamilienwohnheim. Findige Jugendliche bauen sich aus Holz rollerähnliche Lasttransporter, mit welchen dann die Ernte in die Stadt transportiert wird.

Der Nyiragongo Aufstieg erfolgt über einen recht deutlichen Pfad, welcher im unteren Teil praktischerweise die Lavaströme des 2002er Ausbruchs nutzt. So kann man die vielfältigen Erscheinungen, welche solch ein Strom in der Vegetation erzeugt im Detail studieren.   Dazu zählen vor allem die Tree Molds, also Löcher in der erkalteten Lavadecke, welche von ehemaligen Bäumen stammen. Die Lava zerstörte zwar den Baum, aber die Lava um den Stamm erkaltete schnell und es blieb ein tiefes Loch als negatives Abbild des Baumstamms. Von der hohen Geschwindigkeit der Lava zeugen erkaltete Fließstrukturen, welche um Wurzeln, durch Äste und über Geländestufen wie frisch und plötzlich erstarrt liegen.

     

Nahe der ehemaligen Austrittsspalte findet sich im Geäst fast jeder Baumleiche zahlreiches Auswurfmaterial. Der Pfad führt an Hütten vorbei, welche schon vor Jahrzehnten als Unterstand errichtet wurden.

Damals, noch vor den Kriegszeiten war dieser Vulkan schon gut erschlossen und touristisch recht beliebt.

     

Frühere, mit großem Aufwand betriebene wissenschaftliche Expeditionen haben an der Kraterkante Plateaus ausgehackt um über mehrere Wochen ein großes Helferaufgebot samt schwerer Expeditionsausrüstung in den Krater abzuseilen. Diese immer noch erhaltenen Flächen dienen heute als ideale Campingfläche, nur hier kann man die Zelte bequem aufstellen. Der große Vorteil liegt in der direkten Nachbarschaft der Kraterkante, jederzeit ist ein Blick hinunter zu Lavasee möglich.

     

Für andere Einblicke kann man den Krater umrunden, was aber eine vierstündige Aktion wäre. So besuchten wir nur die Westseite, von dort aus ist ein Blick auf den kompletten Lavasee ohne jede Verdeckung möglich. Die ruhig dahindriftende Seeoberfläche, welche an die Plattentektonik der Erde erinnert liefert mit ihren in etwa halbstündigen Abstand aufflammenden enormen, gasgetriebenen Lavablasen ein wirklich großartiges Schauspiel. Bei diesen Aufwallungen entstehen ganze Ausbruchsspalten mit über hundert Metern Länge und mit mehr als 25m grossen Lavablasen.

      

     

Den Lärm durch das schäumen und zerplatzen kann man am ehesten mit einer überdimensionalen Waschmaschine vergleichen. Leider bleibt einem der freie Blick in den Lavasee meistens verwehrt, da in dieser sehr feuchten Klimazone selbst in der Trockenzeit feuchte Nebel den Krater umhüllen und starke Gewitter mit enormen Schauern den Aufenthalt im Zelt nahelegen.

  

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Diesen trockenen Pol wußte ich nach der ausgiebigen Dusche in Reunion vor zwei Wochen stark zu schätzen. Nach drei Nächten wurde wieder der Abstieg angetreten und die Grenze zu Ruanda überquert.

     

Im Anschluss ermöglichte eine Berggorilla-Pirsch in den Virungas auf der Ruanda Seite den wirklich eindrücklichen und hautnahen Kontakt zu diesen stark vom Aussterben bedrohten Menschenaffen. Unsere Gruppe besuchte dabei die Gorillafamilie am Fuß des Visoke Vulkans. Nach dem Wiedereintreffen in Kigali erfolgte für mich die Heimreise.

     

Zuletzt konnte ich mir die Frage, ob sich der Aufwand für 'lediglich' eine Lavaseebeobachtung aus der Distanz wirklich lohnt eindeutig beantworten. Selten habe ich während einer so kurzen Reise derart viele tiefgehende Eindrücke erlebt wie hier. Dazu zählt außer dem Lavasee das direkte Erleben der jüngeren Geschichte Ruandas, das Leben der Einheimischen in und um Goma und nicht zuletzt der direkte Kontakt zu den Gorillas.

    

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©  2007 photos und Text by M. Rietze, last modification 12.2.2007