Reunion, Piton de la Fournaise 2006/07

by Richard Roscoe and  Martin Rietze

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Fig.1 (3D-Modell vom Piton la Fournaise, ausgestellt im Maison du Volcan Informationscenter)

Seit Monaten zeigte der Piton de la Fournaise schon ununterbrochene Aktivität, welche sich im Dezember 2006 beim Aufbau zweier neuer Kegel nochmals steigerte.  Die beeindruckenden Bilder im Internet motivierten Richard und mich zu einem spontanen, 1 wöchigen Besuch.  Die einzig sinnvolle Flugverbindung zu dieser Zeit führte über Mauritius. So kamen wir am 31.12. an und fuhren sogleich zum Parkplatz am Trailhead zum Vulkan.  Leider herrschte hier Nebeltreiben mit starkem Niesel und Schauern. Wir beschlossen, hier auf Wetterbesserung zu warten. In kurzen klareren Phasen konnte deutlich das wabernde rote Glühen des Ausbruchs gesehen werden.

Statt Sylvesterfeuerwerk in Form einer Vulkaneruption zu erleben warteten wir also im Wagen. Um 3:00h Morgens klarte es dann endlich auf und wir marschierten entlang des gut markierten Bory-Trails zur Ausbruchsstelle im Dolomieu-Krater. Um 5:00h standen wir in unmittelbare Nähe der neuen Hornitos.

2a  2b

Wie schon auf dem Hinweg durch fehlende Glut befürchtet war keinerlei Aktivität zu sehen, lediglich der Kraterboden und einige Stellen an den Hornitos zeigten zahlreiche Glutstellen. Diesen Schockzustand verarbeitend legte sich wieder Nebel über die gespenstische Szenerie.  Ungläubig näherten wir uns weiter und betrachteten die zahlreichen, noch glühenden Spalten (Fig.2a, b). Da wir noch auf ein wiedererwachen hofften zogen wir uns vor dem beginnenden Regen in eine Mulde neben dem frischen Lavastrom zurück. Während der nächsten Stunden wurde uns klar, dass wir das Pech hatten eine 4  Monate andauernde Eruption um etwa 2 Stunden zu verpassen. Zudem wurde der Regen stärker, durch die Bodenhitze entstehender Dampf hüllte uns komplett ein. Trotz Regen mußten wir nun Umkehren, so oder so würden wir bis auf die Haut naß werden.

Insbesondere der durch den starken Wind aufgepeitschte Regen drang durch alle Ritzen und durchnässte auch die gesamte, völlig umsonst mitgetragene Kameraausrüstung. Die Monotonie des Nebels wurde nur durch das eigenartig schmatzende Geräusch der völlig durchnässten Schuhe aufgelockert. Nach 2 Stunden gelangten wir so zum Auto und fuhren sofort nach Bourg Murat, wo wir uns in einem Bungalow einmieteten (Fig.3a).  Dort blieben wir zwei Tage, in welchen wir den vorbeiziehenden Zyklon Clovis abwarteten. Die ersten Ausläufer waren für unser 'feuchtes' Erlebnis verantwortlich.  Dennoch wurde uns nicht langweilig, da in der feuchten Luft und ohne Heizung (welche hier im Sommer nicht angeschalten ist) das Trocknen der gesamten Ausrüstung einer Sysiphusaufgabe glich. Abwechslung boten auch die immer wieder wechselnden Beschlagsmuster an der Innenseite von Richards Objektiven.

3a  3b

Danach fuhren wir wieder zum Vulkan hoch. Die Sonne kam heraus und wir konnten die Landschaft bewundern (Fig. 4a, b, c, d).

4a   4b 4c

4d 

Da wir erst Mittags ankamen waren viele Besucher unterwegs und entsprechend wurde der Weg kontrolliert. Eine direkte Annäherung an die Hornitos war dadurch nicht möglich. So beschlossen wir, bis abends abzuwarten und unsere Sachen in der Sonne vollends abzutrocknen (Fig.3b).

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Die Sicht am Nachmittag war gut (Fig.5a, b, c (Formica Leo cinder cone, formed 1753))), aber rechtzeitig zum Abend kam der Regen zurück. So mußten wir nach einem Essen im Gite de Bellecombe (Berghütte) wegen Regen und Nebel wieder weiter hinabfahren. An einem kleinen Informationsschutzbau neben der Straße versuchtebn wir zu Biwakieren und auf besseres Wetter zu warten, allerdings vertrieben uns die enorm stark werdenen Gewitter doch wieder ins Auto.

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6d)

Am nächsten Tag drehten wir eine Runde um den Südteil der Insel, dabei besuchten wir den Foret de Bebour-Wald mit der typischen Reunion Flora (Fig.6a, 6b), den Grand Etang-See (Fig.6c), die Pont Suspendu Hängebrücke (Fig.6d - 1894 fertiggestellt) und die ausgedehnten Lavafelder, welche vom PdlF nach Osten zum Meer reichen. In den wenigen Jahren seit meinem letzten Besuch entstanden hier enorm viele neue Lavaflüsse. Diese bestehen auch aus Aa und Stricklava (Fig.7a, b, c, d).

7a  7b

7c  7d

Am letzen Tag begannen wir dann doch noch den Aufstieg zum PdlF um 3:00h. Mit wenig Gepäck war die Strecke in nur etwas über einer Stunde zu machen.  Obschon das Wetter wieder unstabil schien gelang es mir doch, das neu entstandene Gebiet allein zu durchqueren. Ein unheimliches Gefühl direkt zwischen den noch glühenden Hornitos auf der instabilen und brüchigen Lava. Eigenartige Entspannungsgeräusche mischten sich unter das Krachen der unter meinen Füßen nachgebenden, noch heißen Lavaplatten. Zumindest ein Hornito hatte noch Verbindung mit dem Schlot, extrem heiße Gase erleuchteten das innere von Hohlräumen und Spalten (Fig.8a, c-h).

8a) 8b)

Nach der Durchquerung traf ich wieder auf Richard, zu zweit bestiegen wir noch den eigentlichen Gipfel mit Blick auf den Bory-Krater (Fig.8b). Danach gingen wir vorbei an La Soufriere zu einigen alten Hornitos an der Wegkreuzung am nördlichen Vulkanhang (Fig.9a, b (Chapelle de Rosemont)).

8e) 8c) 8f) 

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8g)   8h) 

9a 9b

Nach der Rückgabe des Wagens in St. Pierre wollten wir den gebuchten Abendflug nach Mauritius nehmen. Wie eigentlich nicht anders zu erwarten folgte uns unsere 'Glückssträhne' auch bis hierher, der Flug wurde annulliert. Der Grund dafür war ein Käfer (Hoplochelus marginalis (Fig.10b)), welcher als Zuckerrohrschädling gilt.  Dieser erreichte Reunion von Madagaskar aus in den 70er Jahren und verteilte sich über die ganze Insel. Dessen Larven schädigen die Zuckerrohrwurzeln stark.  Da die erwachsenen Käfer kurz nach der Dämmerung fliegen könnten Flugzeuge diese verschleppen. Mauritius verbietet daher Flüge nach 18:30h, unser letzter Flug hatte etwas Verspätung und daher keine Chance. Daraus erklärt sich auch, warum wir hier noch problemlos Tickets bekamen...

10a)     10b

Letztlich sprang doch noch eine freie Hotelnacht heraus und nach langem Diskutieren zwei Plätze beim Morgenflug (Fig.10a), dafür mußten zwei andere Passagiere dran glauben.  Unser Druckmittel war auch der Münchenflug, welcher nur einmal pro Woche stattfindet.

Zumindest das Ende der Reise fand damit einen glücklichen Abschluß. Es bleibt die Hoffnung auf mehr Glück beim Nächstenmal.

 

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 ©  2007 photos und Text by Martin Rietze, (mr)  Richard Roscoe, (rr), Last modification 16.2.2007