Ecuador, Volcan El Reventador

 

 M. Rietze, Th. Boeckel (29.12  - 1.1.2006)

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El Reventador (0° 04' 05'' S  /  77°40' 22'' W) zählt zu den verborgenen und einer der abgelegendsten Vulkane Südamerikas. Gelegen im Cayambe-Coca Gebiet ist er  Luftlinie gemessen etwa 90 Kilometer nordöstlich von Quito gelegen und bereits dem Areal Amazonica zuzuordnen. Der aktive Konus (ehemalige Höhe 3485 Ost, 3562 West, Basisdurchmesser 2 km) wird von der fast ebenso hohen alten Caldera, die einen beeindruckenden Durchmesser von 6 Kilometern aufweist umgeben. (Karte) Ein gewaltiger Ausbruch im Juni 2005 sprengte den Gipfel um etwa 100 Meter. Die Eruptionswolke zog nach Angaben des Vulkanologen Bernard Beate über die 90 km entfernte Hauptstadt Quito und hinterließ dort eine etwa 2 cm dicke Ascheschicht. Lavaströme pirschten sich bis auf 3,5 Kilometer an die Ölpipeline heran, die zur Hauptölversorgung des Landes dient.

Auch wir waren daran interessiert welche Folgen dieser Ausbruch hatte, und machten uns auf den Weg ins Unbekannte

      

Da Informationen über diese Gebiet bis dato nur schwer erhältlich waren, war es ein Sprung ins kalte Wasser bzw. in den warmen Urwaldschlamm. Als Folge vorangegangener Konflikte mit dem Grenzland  Kolumbien konnte der Vulkan bis vor einigen Jahren nur erschwert oder gar nicht besucht werden. Chris Weber wurde bei einem Besuch vor etwa 10 Jahren von Miliztruppen zurückgewiesen. Auch war vollkommen unklar, ob in der nähe des Pfades Siedlungen vorhanden waren. Spätestens bei der Beschaffung von Lebensmitteln und Trinkwasser wird dies ein wichtiges Kriterium (Info siehe unten). Zudem können anhaltende Regenfälle die Durchquerung des Primärurwaldes am Fuße des Reventador erschweren. In den Regenzeiten ist dies sowieso fast unmöglich. Wir selber machten trotz der Trockenzeit immer wieder die Begegnung  mit lange anhaltenden sehr starken Regenfällen. Dennoch war der schlammige Weg einigermaßen passierbar.

Bild oben links: Soviel zu unserem ersten Guide (Trauer!). Paulo, unser zweiter Guide zeigte uns mit Hilfe von Lianen ein etwas erfolgreicheres Fortbewegungsmittel. Nun gut, wie Sie merken ist hier ein Guide unentbehrlich, und man sollte für die Urwalddurchquerung einfach die 30 US $ investieren, um sich in diesem Labyrinth bestehend aus kleineren Bergrippen und wasserführenden Schluchten nicht zu verlaufen.

    

Nachdem uns der Guide nach Erreichen des Plateaus wieder verlies, war bemerkenswert wie die Flora sofort in den Heidemodus wechselt. An den neuen Lavaströmen entlang, gelang man an den Punkt wo die eigentliche Besteigung des Kegels begann.

     

Im gesamten Vulkanareal bestand keinerlei Möglichkeit sich mit Trinkwasser zu versorgen. So musste jeder bis zu sieben Liter mitnehmen. Das zusätzliche Gewicht wird erst so richtig interessant, wenn man mit dem übergewichtigen Rucksack auf den steilen und schwer begehbaren Geröllflanken des Kegels aufsteigt. Immerhin ist bei diesem symmetrischen Kegel mit einer Flankenneigung von 38% etwa 1300 Meter zu überwinden. (fluch&röchel)

       mr

Die nächsten Bilder zeigen das Restglühen im Ausbruchskrater. Weiter sind hellere leuchtende Fumarolen am neuen Dom zu erkennen. Auswürfe wurden während der Nacht nicht registriert. Erst durch lange Belichtungszeiten wurde der Schein sichtbar. Für das menschliche Auge erschien das Ganze in einem fahlen gelblichen Licht.

mr

tb     mr

Während ich - konditionell vollkommen im Eimer (Herbstranzen etc...) -, konnte Martin an der Ostkante die Dämmerung  noch erwischen und mittels seines 14 mm Fisheye- Objektives noch imposante Zodiakallichtaufnahmen  hinzaubern. Leider brach der Nebel innerhalb von Minuten wieder über uns herein und versperrte für die restliche Nacht die Sicht in den Krater. Beschweren können wir uns über diesen Anblick aber sicher nicht, da der ansonsten  in Wolken gehüllte Vulkan selten frei steht.

   

Tagesaufnahmen des gesprengten Kegels. Die höchste Erhebung war noch in Richtung Westen zu sehen. Vermutlich könnte dieses Übrigbleibsel noch eine Höhe von 3500 m ü.NN haben. Auf dem östlichen Teil konnten unsere GPS- Geräte allerdings nur noch eine Höhe von 3395 Metern messen. Eine gewaltige vulkanische Vorstellung muss hier im Sommer 2005 im Gange gewesen sein, da davor der Gipfel offiziell mit 3562 m ü.NN angegeben wurde.

 

Abstieg - zurück zum Unterstand. Auffällig war, dass die umliegenden größeren Urwaldbäume anscheinend vor längerer Zeit einem Waldbrand zum Opfer fielen. Jedoch stand dieses im Widerspruch, da der Bewuchs im linken Bild eine deutliche Grenze zum jungen Buschbewuchs zeigte. Diese Sonderheit fiel bei allen umliegenden Wäldern die jedoch nicht zueinander in Verbindung standen am östlichen Calderateil des Reventadors auf. Auf dem gesamten 'Plateau' war auch eine vermooste und erodierte Ascheschicht von einem Meter zu erkennen. Grund war ein mächtiger Pyroklastischer Strom der im Juni 1973 abging, und nur durch den dichten Urwald gebremst wurde.

M. Hall anota: “Un gran lahar se extendió sobre la planicie suroriental de la caldera. Volumen del lahar es de 2.5 millones de metros cúbicos”. *Quelle (Instituto Geofisico / Quito)

 

     

Abfotografierte Zeitungsberichte zeigen nochmals die Highlights des Ausbruches im Sommer 2005. Es sind auch erstaunlich viele Infos drauf zu finden.

  

Ein kleines Hostal und zugleich auch Bushaltestelle, ist nahe am Einstieg zum Reventador Trail gelegen

In diesem Hostal trafen wir Bernardo Beate vom Instituto Geofisico in Quito. Er leitete gerade die seismologischen Arbeiten am Vulkan. Das Instituto Geofisico in Quito, eine gute Adresse um an aktuelle Informationen der Vulkangeschehen in Ecuador zu gelangen. (In Spanisch)

Instituto Geofisico in Quito

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©   2006 photos  by Th. Boeckel (tb),  Martin Rietze (mr) , last modification 12.2.2006