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Vulkane Zentralamerikas 2007

Volcan Santa Maria de Santiaguito, Guatemala Dez.2007

M. Rietze, R. Roscoe, Th. Boeckel

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Mit der Vorankündigung, das sich der Vulkan Santiaguito in den letzten Wochen nicht gerade in einer berauschenden aktiven Phasen befand, stiegen wir etwas missmutig auf den Santa Maria (3771 m üNN, Beobachtungspunkt). Wegen unserem etwas knappen Zeitbudget waren wir sehr gespannt, welche Vorstellung uns am Santiaguito in der Nacht vom 26.- 27. Dezember erwartete.

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Wegen der Weihnachtsfestivitäten und den etlichen Parties, in Guatemala werden diese Feste ausgiebig gefeiert erwartete nachdem wir den Gipfel erreichten unseren Guide Huglio erstmal eine ausgedehnte Mittagssiesta. Das erste was uns erwartete, war ein endloses Meer an Wolken. Irgendwo da unten rumpelte der Santiaguito vehement, und ab und zu zeigte uns eine magere Aschewolke die ungefähre Position an. Uahh - absolut nichts zu sehen, da hilft nur hoffen und Daumen drücken.

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Nun, als wir so vor uns hinhofften und die Wolkenschicht um den Vulkan weiterhin zäh blieb wurde uns anderweitig ein Zodiakallicht* der besonderen Machart präsentiert. Dieses Weltraumlicht zeigte sich sogar noch etwa zwei Stunden nach Sonnenuntergang und reichte bis zum Zenith. Ist übrigens auch sehr selten und wesentlich schwächer in Mitteleuropa zu sehen.

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Santiaguito ist ein Lavadome welcher seit 1922 kontinuierlich aktiv ist. Auf dem Google Earth image kann man unsere Positionen und Blickrichtungen sehen. Weitere Infos kommen noch!

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Nachdem sich tatsächlich der Vorhang gegen Mitternacht öffnete begann die feurige Darbietung. Auf dem Plateau welches etwa auf etwa 2500 Meter liegt konnten nach und nach die ersten glühenden Details erkannt werden. Nun startete der Vulkan eine etwas intensivere Serie an Eruptionen im 30 Minuten Takt. Aufgrund des hartnäckigen  Dunstes dauerte es jedoch noch drei Stunden bis die ersten passablen Photos mit größeren Glutauswürfen entstanden.

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Auf den oberen Fotos ist einen dreiminütigen Ausbruch dokumentiert. Die sich sehr im Ablauf ähnelnden Ausbrüche kündigen sich durch einen grollenden Ton der stetig zunimmt, an. Nachdem die Thephrawolke etwa 200m an Höhe gewonnen hat, steigen bei heftigeren Ausbrüchen im Plateau glühende Schlackenfontänen an den Seitenlöchern auf. Nach etwa einer Minute nimmt der glühende Auswurf  wieder ab, jedoch gesellte sich ein lautes Heulen in allen Tonlagen dazu. 

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Nie zuvor habe ich an einem Vulkan ein so bekanntes Geräusch wahrgenommen. Diese absolut originalgetreuen Tonlagen eines  Düsentriebwerkes welches ständig die Drehzahl variierte war hier nicht mehr zu unterscheiden. Einfach faszinierend! Diese subterrane Orgel bestehend aus unterschiedlich geformten Ausgasungskanälen könnte womöglich diese beeindruckende Akustik entstehen lassen. ( Ich hoffe Martin hat noch gute Tonaufnahmen)

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Bei nun klaren Verhältnissen entstanden gegen 4.00 Uhr weitere bis zu 40 Sekunden lang belichtete Photos. Die Aschesäule steigt hier fast senkrecht auf etwa 4500- 5000 Meter.

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 Durch das Vollmondlicht entsteht ein gewisser Unterwasser Eindruck.

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Eingepackt in Schlafsäcken war es die einzige Möglichkeit, den frostigen Temperaturen entgegen zu setzen. Es ist ratsam in dieser Höhe sich gut mit warmen Utensilien auszustatten.

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Im ersten Morgenlicht war das Plateau endlich in all seinen Einzelheiten zu beobachten. Nun begann der Objektiv-Poker. Weitwinkel oder doch das Teleobjektiv? Um wichtige Details etwas näher zu bringen, wechselte ich zum Glück etwa eine Minute vor dieser wunderschönen Eruption  auf  ein 300mm Tele. 

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Mit einem komplett neuen Eruptionsverhalten starte der Santiaguito in den Tag. Auffallend war nun ein fast exakter 45 Minuten Rhythmus. Lautlos und ohne Ankündigung presste sich ringförmig die Thephra durch den inneren Dom wobei nach und nach der ganze obere Konus unter Druck geriet. Dieses war durch die aufsteigende Asche in den seitlichen Tubes schön zu beobachten.

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Nachdem innerhalb von zwei Minuten alle Röhren aktiviert waren, versank die Szenerie wieder unter der herabsinkenden Asche.

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Überblick über die Domlandschaft und ein Tornado über dem Plateau

Dieses 'neue' Ausbruchverhalten hielt bis zum Mittag an, wobei wir nach jedem Event so richtig schön eingeascht wurden. Weitere größere Thephrawolken wurden von uns auch noch in größerer Distanz registriert. Womöglich kam der Santiaguito wieder eine etwas intensivere Phase.

   

Quezaltnango


* Zodiakallicht: Interplanetarische Schmutzansammlung welche in unserem Sonnensystem auf der Ekliptikebene liegt und somit am Äquator in vertikaler Lage nach Sonnenuntergang zu beobachten ist. Dieses Beruht auf den Materieverlust eines jeden Körpers, der um die Sonne kreist oder unser System durchkreuzt.


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 ©  2008 photos and text by Thorsten Boeckel (tb), ©  2008 photos by Martin Rietze (mr)

Last modification 15th.Jan.2008