Vanuatu: Yasur, Ambrym

 10. August bis 9.September 2006

by Martin Rietze, Organisation: Christoph Weber, VEI

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Geographische Lage der Vanuatu Insel. Weitere Karten von

       

Nach einer mehrtägigen Anreise über Australien erreichten wir Port Vila auf der Insel Efate, die Hauptstadt der eigenständigen Vanuatu-Inselgruppe. Nach Organisation und Vorbereitungen konnte es zwei Tage später mit einer Twinotter nach Norden zum ersten Ziel, der Insel Ambea mit dem erst vor wenigen Monaten sehr aktiven Vulkan Aoba gehen. Bei dieser Eruption bildete sich in einem der Kraterseen, dem Lake Vui ein neuer Schlackekegel. Dabei wurde die gesamte Waldlandschaft im Umkreis stark geschädigt und im näheren Bereich zerstört. Für eine geraume Zeit erfolgte eine Evakuierung der Bevölkerung. Im Gegensatz zum internationalen Flughafen auf der Hauptinsel Efate sind alle Landepisten auf den anderen Inseln des Archipels nur mit teils sehr rudimentären Graspisten ausgestattet. Es können ausschließlich kleine Propellermaschinen landen und das nur bei günstigem Wetter.

       

Den Europäer beeindrucken die Starts und Landungen der zwischen den Inseln als einzig verlässliches Verkehrsmittel geltenden Kleinflugzeuge. In Anbetracht der Kürze der Graspiste und der daran grenzenden Küste bzw. Palmen erstaunt es immer wieder, daß der Pilot die teils überladene Maschine schnell genug vom Boden bringt. Auf solche Weise angekommen machten wir uns auf den Weg zu einer Unterkunft, dabei zeigte sich die Hauptstraße von Ambea als eine ein paar Kilometer lange Piste, welche von einigen wenigen Pick-Ups befahren wird. Am nächsten Tag wurden im Dorf Nakano einige Träger angeheuert und Verpflegung organisiert, die Einwohner waren bei diesem Anlass selber Neugierig und beschlossen spontan mitzukommen. So zog das halbe Dorf durch den Urwald mit uns Richtung Aoba-Caldera.

      

Oben angekommen empfing uns nieselnder Nebel, das Camp wurde in der Senke eines eingetrockneten Kratersees aufgebaut und vor dem dunkel werden schnell noch ein Abstecher zum ersten Blick auf den Lake Vui gemacht. Obschon an der Küste eher sonniges Wetter vorherrschte, blieb uns die Passatwolkennebeldecke am Lake Vui treu. Kein einziges mal während der nächsten zwei Tage klarte es auf, völlig nass wurde das Camp abgebaut und der Abstieg zur Küste ohne jeden Gesamtüberblick angetreten. Als einziges ermöglichte eine Wanderung zum Ufer des Lake Vui die Inspizierung der dramatischen Wirkung der vergangenen Eruption und der fremdartigen und fast surrealen Uferlinie mit dem inzwischen rotgefärbten Seewasser.

    

Der neue und noch stark dampfende Schlackekegel in der Seemitte war nur schemenhaft zu erkennen, ein Erkunden durch hinüberschwimmen wurde aufgrund der exotischen Chemie des Seewassers fallengelassen. Also folgte nun mit etwas Enttäuschung der Rückflug zur Hauptinsel Efate und nach neuerlicher Organisation vor allem von Trinkwasser und Verpflegung der Weiterflug nach Lamen Bay auf der Insel Epi. Die nächsten zwei Tage folgten Ausflüge

 

     

mit ersten Blicken auf die Nachbarinsel Lopevi, einer inzwischen unbesiedelten Insel welche praktisch nur aus einem Vulkan besteht und immer wieder in hoher Folge spektakuläre Ausbrüche mit Lavaströmen bis ins Meer hat. Leider deutete sich bei Nachtbeobachtungen an, daß Lopevi derzeit eine Ruhepause einlegte, vor wenigen Wochen endete der letzte größere Ausbruch. Da Lopevi unbesiedelt ist, kann die Überfahrt praktisch nur mit gecharterten Fischerbooten erfolgen. Diese Boote brachten uns dann recht abenteuerlich an den Strand von Lopevi. Es ist immer wieder erstaunlich wie man mit solch kleinen Nussschalen auf den Pazifik hinausfahren kann und doch oftmals lebend am Ziel ankommt. Solche Details wie Schwimmwesten oder geschlossene Kajüte betrachtet man hierzulande als unnötigen Luxus. Für Klärung eventueller Notfälle sind in dieser Gegend die Haie zuständig, ein Exemplar mit gut 2 Meter beobachtete uns beim Booteeinholen. Frisch seewassergeduscht und übel von der Schaukelei suchten wir uns zwischen Urwald und Strand einen Platz für das Camp.

        

Auf jeden Fall empfiehlt sich, etwas mehr Geld auszugeben und die Fischer samt Booten auf der Insel zu behalten. Dieses Geld ist gut investiert, da man dann faire Chancen hat wieder von der unbewohnten Insel herunterzukommen und mangels Supermarkt von den Fischern lernen kann, was es im Urwald essbares gibt. Der Nachmittagsaufstieg zum aktiven Krater ging auf den jungen Lavaströmen zwar überraschend gut, jedoch wurde es schon Nacht vor der Ankunft oben. Mangels Mondlicht und dank Nebel erkannte man den Kraterrand nur am Gestank der aufschmelzenden Schuhsohlen und Teleskopstockspitzen. Das Bild des glühenden Bodens mit dem Sternhimmel dahinter

        

sollte die einzige Aufnahme oben werden, danach wandelte sich der lockere Nebel in eine handfeste Bewölkung mit Dauerregen. So konnten wir im Morgengrauen das ebenfalls grauenvolle Biwak (das Zelt war uns 3 oben gebliebenen wieder mal zu schwer) beenden und völlig durchnässt den Hang hinunter schlapfen. Da wie inzwischen gewohnt das Wetter schlecht blieb konnten wir im Wald auf Nahrungssuche gehen und das Lagerleben genießen. Auch die nächste Nacht lag der Gipfel unter Wolken, ein neuerlicher Aufstieg wäre sinnlos gewesen. So legten wir am nächsten Morgen mit den Booten ab und begaben uns auf die lange Fahrt nach Ambrym, der nächsten Insel mit aktiven Vulkanen. Dort legten wir beim Dorf Sanesup an, die wie überall auf Vanuatu überaus freundlichen Einheimischen nahmen uns sofort auf und räumten das Frauenhaus für unsere Gruppe. Am Abend wurden wir zu einem inseltypischen Rom- Tanz eingeladen. Am nächsten Tag erfolgte der Aufstieg zur Caldera mit zahlreichen Trägern.

   

Anfangs trocken und etwas sonnig, empfing uns oben wieder der inzwischen bekannte Nieselregen. Die nächsten 5 Tage brachten nur einen einzigen recht sonnigen Vormittag, ansonsten wechselte sich das Nebelnieseln nur mit teilweise enormen Regenfällen ab. Die ansonsten kritische Trinkwasserversorgung erwies sich als unproblematisch, da allein an der Zeltwänden literweise Wasser geerntet werden konnte. Eine solche andauernde Regenwetterlage war mir bis dahin nicht vertraut, jede Exkursion zu der etwa 6km entfernten Kratern quer durch die Caldera wurde mit Starkregen bestraft. Man gewöhnte sich langsam an den dauernden Nässezustand, allein die Haut begann sich aufzuwerfen und drohte sich abzulösen. Vielleicht eignet sich diese Caldera für eine neue Sportart, genannt 'extreme-camping'.

     

Auf jeden Fall hat das tagelang ununterbrochene Regenplätschern an den Zeltwänden psychologisch Auswirkungen. Nichtsdestotrotz konnten wenige Augenblicke mit freier Sicht in die Krater für ein paar Bilder genutzt werden. Die gesamte Caldera zeigt typische Erosionsspuren, der oftmalige Regen wäscht die Aschelandschaft zu bizarren Runzeln aus. Neben den beiden Hauptkratern Benbow und Marum, welche sich im Zentrum der Caldera befinden existieren noch etliche kleinere Nebenkrater. Im Benbow ebenso wie im Marum befinden sich oftmals Lavaseen, diese liegen aber viele hundert Meter am steilwandig begrenzten jeweiligen Kraterboden. Während man am Benbow relativ gut zu tiefergelegenen Terassen abklettern kann, wäre dies beim Marum nur mit sehr aufwändiger Abseilerei machbar. So wurde von Anfang an nur beim Benbow an einen Abstieg gedacht. Dort konnte auch ein großer Teil der Gruppe absteigen.

     

Der Lavasee hatte sich jedoch extrem weit zurückgezogen, nur Geräusche verkündeten Aktivität, eine offene Lavalinse war nicht auszumachen. Beim Marum war zwar der Blick auf den See frei, dieser hatte aber ebenfalls Minimalstand und sich unterirdisch zurückgezogen. Nur der Blick durch eine runde Öffnung zeigte die darunter liegende Lava, dieses Loch 'atmete' stark was wohl auf schnell schwankendem Lavaspiegel beruhte.

       

Solchermaßen von minimalaktiven Kratern und maximalaktivem Regen deprimiert begaben wir uns auf den Weg nach Craig Crove zur Flugpiste zum Rückflug nach Efate und einen Tag später gleich weiter zur Insel Tanna mit dem Vulkan Yasur. Dort angekommen erfolgte ein Transfer zur anderen Inselseite und die Einquartierung in das dem Yasur nahe gelegene Guesthouse. Von dort ist der Yasur in einer bequemen Wanderung teils durch Urwald erreichbar, auch Pick-Ups verkehren Abends.

       

Als Entschädigung für die vergangenen Wochen erlebten wir am Yasur grenzwertige Aktivität mit steigender Tendenz, am letzten Tag flogen die Lavafetzen schon über den Rand des Kraters.

    

   

     

   

     

Bild oben zeigt einen typischen Ausbruch an diesem Tag, Aufnahmebrennweite 24mm, zugehöriger Auswurf solcher Eruptionen am Krateraußenhang.

Wir beschlossen, aufgrund der guten Bedingungen die ganze uns noch zur Verfügung stehende Woche beim Yasur zu bleiben und von dort aus einige Tagesausflüge zu machen.

     

 

Durch die besondere Nähe zu der drei aktiven Vents im Kraterinneren wurden einzigartige Nahbeobachtungen möglich, wie z.B. mehrmetergroße Lavafetzen  

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Dampfspuren extrem schnell hochkatapultierten Auswurfmaterials und enormen Druckwellen (GIF-Animation), welche sich durch die Aschewolken gut sichtbar fortbewegten. Diese Druckwellen waren am Körper enorm deutlich spürbar, auch der Boden wurde dabei stark erschüttert. Die entsprechende Akustik auch bei 'normalen' Ausbrüchen übersteuerte sogar oftmals das Mikrofon.

   

Leider kann man vom äußeren Kraterrand nicht auf die Austrittsstellen blicken, dies ist erst von der inneren Kante der nächsten Terasse möglich. Bedingt durch die hohe Trefferwahrscheinlichkeit des Auswurfmaterials bleibt nur eine Remote Kamera für längerandauernde Beobachtungen oder kurze Schnappschüsse.

       

Nach dem Rückflug zur Hauptinsel Efate und einem Restaufenthalt erfolgte der doch recht lange Heimflug ohne Zwischenfälle.

 

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©  2006 photos und Text by Martin Rietze, Weblayout Boeckel last modification 27.10.2006