Der Venustransit am 8. Juni 2004

Endlich, nach 122 Jahren Wartezeit zieht die Venus in unterer Konjunktion über die Sonnenscheibe

Th. Boeckel, A. Heidl

       in english


Lucifer (Venus) 38 Stunden vor dem Transit       Der zeitliche Verlauf des Transits

Gleich zu Anfang eine wirklich seltene Photographie von Martin Rietze. Der Name Lucifer (Phosperos) bedeutet "Lichtbringer" oder "Morgenstern". Die Bezeichnung geht zurück auf den Planeten Venus, wenn er am Morgen vor Sonnenaufgang am Himmel im Osten erscheint. An dieser Stelle geht ein großer Dank an Martin der uns mit seinem 65 mm Zeiss Refraktor und dem dieses Mal soooh wichtigen H-Alpha Filter* unterstützte. Martin war zusammen mit dem ZDF und dem Baaderteam auf der Zugspitze.

           

Fernab von jeglichem Rummel bauten wir unsere Teleskope in einem Waldidyll nahe Landsberg auf. Den Abend noch am Lagerfeuer verbracht fiel uns unter freiem Himmel bereits während der Nacht die klare Atmosphäre auf. 5:30  Keine Wolke am Horizont und extrem ruhige Bedingungen. Nach den Wetterschockern der vergangenen Wochen begannen wir nach und nach diese Begebenheit sehr zu schätzen.

Eine prächtige Protuberanz


6:50 Zum ersten Mal nehmen wir die aufgehende Sonne durch die Teleskope ins Visier. Durch die Verwendung eines H - Alpha Filters war es möglich geworden Sonnenprotuberanzen zu sichten. Sensationell!! Mit offenen Kinnladen trauten wir unseren Augen nicht. Eine riesige Protuberanz stand etwa 30-40° von der Eintrittsstelle der Venus entfernt. Bei dem Sonnenradius von etwa 700.000 km ergibt sich maßstäblich eine Ausladung von etwa 190.000 Km in den Weltraum. Wenn Sie sich vorstellen, dass die Beobachtung solch einer Protuberanz (Brummerranz) schon eine Seltenheit ist und dieses mit einem von Menschen noch nie gesehenen Vorgang der Himmelsmechanik, einem Venus Transit zusammen trifft, darf man sich schon einmal fragen ob es da oben noch mit rechten Dingen zugeht?

6:57          7:05          7:29

Blick durch den Refraktor,  punktsymmetrisch verkehrt herum bzw. 180° gedreht

Nikon Digital D70, Belichtung 250 ASA, 1/260 sec, Zeiss 65/840 Refraktor, H-Alpha 1,0 Angström (Farbnachbearbeitung)

In rasender Geschwindigkeit hebt sich die Protuberanz von der Sonnenoberfläche und verändert minütlich ihr Aussehen. Ausgemessen stieg dieser Gasausstoß in etwa 30 Minuten um 60.000 Km. Einige Materienfetzen fallen der Sonnengravitation zum Opfer während sich der Rest in Sonnennähe auflöst oder in das Weltall getrieben wird.


Der Eintritt 

               

7:20 Sonnenfraß setzt ein. Unaufhaltsam schiebt sich der von der Erde aus 41 Millionen Km entfernte Himmelskörper mit einem Durchmesser von 12.100 Km vor die Sonnenscheibe.

Die Gesamtansicht (unten) zeigt beide Highlights.

   

Nikon Digital D70, Belichtung 250 ASA, 1/260 sec, Zeiss 65/840 Refraktor, H-Alpha 1,0 Angström (Farbnachbearbeitung)

7:33 Die Venus ist über die Hälfte eingetreten. Zusammen mit der mächtigen Protuberanz ein wirklich faszinierender und unvergesslicher Anblick. Nun sind auch nahe der Eintrittsstelle kleinere Protubetranzen zu sehen.

* der H-Alpha Filter, in Verbindung mit einem Protuberanzenansatz dient ausschließlich zur Beobachtung von Protuberanzen.


Das Tropfenphänomen

(von irdischer Herkunft ?)

           

Nikon Digital D70, Belichtung 250 ASA, 1/260 sec, Zeiss 65/840 Refraktor, H-Alpha ,1.0 Å (Farbnachbearbeitung)

7:40 Ab diesem Zeitpunkt sollte sich die Venusscheibe von dem Sonnenrand ablösen. Doch jetzt tritt eine weitere Besonderheit ein. Das Tropfenphänomen welches über Minuten bestehen bleibt vermittelt dem Betrachter dass die Venusscheibe sich vom Sonnenrand anscheinend nicht loslösen will.

Die  alte Theorie besagt, dass Lichtbrechungen aufgrund der Venusatmosphäre die Venusscheibe visuell am Sonnenrand bindet.

Fakt ist, dass in hohen Lagen und sehr guter Optik wie zum Beispiel bei Martin, Baader Planetarium auf der Zugspitze das Tropfenphänomen vollkommen ausblieb. Das Tropfenphänomen lässt sich auch wunderbar durch Überbelichtung und Kontrastübersteuerung bei der Nachbearbeitung erzeugen. Auch eine schlechte Optik (unscharf etc.) und schlechtes Seeing kann der Grund sein.

Verwunderlich; Nachdem es bei uns mit dem Zeiss Refraktor wirklich nicht and der Optik lag, aber das Tropfenphänomen wie oben abgebildet live genau so durch den Sucher der Kamera gesehen wurde ist auch der Faktor Belichtungszeit auszuschließen ( Durchschaltung von 2/10 bis zu einer1/8000 sec) . Womöglich lag es doch am Seeing? Die atmosphärischen Bedingungen waren ausgezeichnet.

Folgerung;  Nachdem wir auf einer Waldwiese standen und die Luft am Morgen noch extrem feucht war ist es wohl am naheliegensten, dass durch Einwirkung der Sonnenwärme die mit Feuchtigkeit gesättigten  Luftschichten wie Umlenkprismen wirkten, und dadurch die Abbildung der Venusscheibe mit dem Sonnenrand 'verschwamm'.  Dieses war wohl ein lokales Phänomen und kann sich womöglich schon hinter der nächsten Kurve ändern.

Also doch von irdischer Herkunft


Der Durchgang

          

Nikon Digital D70, Belichtung 250 ASA, 1/260 sec, Zeiss 65/840 Refraktor, H-Alpha 1.0 Å  (Farbnachbearbeitung)

8:50 Geschafft: Die Venusscheibe steht nun klar getrennt vom Sonnenrand da, und der Planet dümpelt jetzt in den nächsten Stunden auf einer Sehnenstrecke vor sich hin. Schön zu beobachten ist, dass die noch vor zwei Stunden mächtige Protuberanz fast komplett zusammengefallen war.

9:00 - 13:00 Auch wir dümpeln mit angehendem Hitzedelirium vor uns hin.(~30°C)

                       

Mitte: Analogaufnahme Minolta x-700 ASA 400 , Baader Sonnenfolie


  Venus in Schwarz

13:01 Trotz intensiver Hitzebearbeitung durch die fast im Zenit stehende Sonnenscheibe versuchen wir den Austritt photographisch zu erfassen. Da wegen der Mittagshelligkeit auf dem Laptopschirm so gut wie gar nichts mehr zu sehen war, gab es große Probleme bei den Kameraeinstellungen.

                       

 Analogaufnahmen  Minolta x-700 ASA 400 , Baader Sonnenfolie


Der Austritt

  

Nikon Digital D70, Belichtung 250 ASA, 1/400 sec, Zeiss 65/840 Refraktor, H-Alpha 1.0 Å

13.04 Der Transit neigt sich dem Ende zu. Im Gegensatz zum Eintritt bleibt das Tropfenphänomen aus. Somit steht für uns nun endgültig fest das diese Begebenheit der Lichtbeugung doch der irdischen Atmosphäre zuzuschreiben ist.


Ring der Venus (Lomonossov-Bogen)

Nikon Digital D70, Belichtung 250 ASA, 1/400 sec, Zeiss 65/840 Refraktor, H-Alpha 1.0 Å

 Die Lichtbrechung des Sonnenlichtes in der Venusatmosphäre ( außerhalb des Sonnenrandes)

13:12 Und hier das Überraschende Ende. Nachdem Martin mir erzählte, dass es wenigen Photographen gelungen war den Ring der Venus (Lomonossov-Bogen) zu fotografieren durchsuchte ich erstmal alle Austrittsphotos und war überrascht, dass dieses Phänomen auf unseren Aufnahmen festgehalten wurde. Dieses Photo entstand aus drei überlagerten Einzelaufnahmen Die Sättigung wurde herausgenommen. Im scharfen Umriss durchdringt die Venus den Sonnenrand und verlässt um 13:23 diese kosmische Arena


Angegart von der Hitze und leicht taumelnd verließen wir unser mit Astrotechnik bestücktes Wald - und Wiesenidyll…

….plötzlich mitten im Wald ein kühles Bier. Aufgrund dieser sagenhaften Entdeckung konnte dann doch noch lange über dieses Ereignis diskutiert werden.

Bei diesem Astroereignis unterstützend mit dabei: Thomas Huber und Alfred Heidl


Im Vergleich der Merkur Transit

Venus Transit 2012


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Vom Ätna zum Stromboli      Planets & Space

 © photos by Thorsten Boeckel, Andreas Heidl, Text Boeckel last modification 8.6.2004